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  • So leiden Mastkaninchen mitten in Deutschland

    Es sind Bilder, die jedem Tierfreund unter die Haut gehen. Hunderte Kaninchen eingepfercht in eine Käfigbatterie. Zwischen den Lebenden liegen Tote, quälen sich Schwerkranke. Aufgenommen hat diese Bilder das Deutsche Tierschutzbüro e.V. , aber nicht etwa im fernen China, sondern mitten in Deutschland, in einer Brandenburger Kaninchenmast. Verkauft wird das Fleisch der gequälten Tiere auf Wochenmärkten, Metzgereien und Hofläden in der Umgebung sowie in Berlin. Das Deutsche Tierschutzbüro fordert eine sofortige Schließung dieser Horrorfarm. Veterinäramt und Staatsanwaltschaft sind eingeschaltet.

    Zu Ostern nimmt in Deutschland auch die Nachfrage nach Kaninchenfleisch drastisch zu. Viele Verbraucher glauben, dass sie Fleisch von einst glücklichen Tieren kaufen. Doch die Realität sieht anders aus, ganz anders. Der Tierschutzverein Deutsches Tierschutzbüro e.V. hat jetzt Bilder einer aktuellen Recherche veröffentlicht, die deutlich zeigen, wie sehr Mastkaninchen in Deutschland gequält werden.

    Stefan Klippstein, gelernter Tierpfleger und Sprecher des Vereins, hat die Aufnahmen auf einem Brandenburger Bauernhof gemacht. In einer von außen unscheinbaren Halle werden dort hunderte Kaninchen in einer Käfigbatterie gehalten. „Die winzigen Drahtgitterkäfige sind in mehreren langen Reihen nebeneinander und übereinander angebracht“, berichtet Stefan Klippstein „die Kaninchen haben so wenig Platz, dass sie ihre normalen Verhaltensweisen nicht annähernd ausleben können. Viele der Tiere sind verletzt oder krank. Ich habe dort Kaninchen mit offenen Knochenbrüchen und eitrigen Infektionen gesehen. Zwischen den lebenden Tieren lagen auch immer wieder tote in und auf den Käfigen. Anscheinend wurden sie dort vom Mäster einfach achtlos liegen gelassen.“

    Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. hat nach der Entdeckung dieser Horrormast umgehend das Veterinäramt und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bei der darauf folgenden behördlichen Kontrolle des Betriebes wurden ebenso Tiere angetroffen, die so sehr litten, dass sie von Amts wegen notgeschlachtet werden mussten.
    Trotzdem wurde der Betrieb jedoch nicht geschlossen. Zu den Kunden des Mästers gehören Hofläden, Marktstände und Cateringunternehmen der Umgebung und in Berlin, von denen einige das Fleisch sogar als Bodenhaltungsfleisch anpreisen.

    Das Deutsche Tierschutzbüro fordert nun vom zuständigen Veterinäramt die sofortige Schließung dieser Farm. „Zudem bitten wir alle Verbraucher, solche Tierquälerei nicht zu unterstützten und zu Ostern auf Kaninchenfleisch zu verzichten“, so Stefan Klippstein abschließend.

    Das Deutsche Tierschutzbüro schätzt, dass es bundesweit noch etwa 60 Kaninchenmast Anlagen gibt und jedes Jahr ca. 25-30 Millionen Kaninchen allein in Deutschland verzehrt werden.

    Traurige Ostergrüsse - Wolodja
  • Ostern: Die Leidenszeit für viele Hühner und Lämmer

    Anlässlich der Oster-Feiertage gilt es erneut auf die Situation der eigentlichen Eier-"Produzenten" - der Hühner - aufmerksam zu machen: Eier sind "in aller Munde", man ißt sie als Frühstücksei oder versteckt in Kuchen, Teigwaren, Saucen u.v.m. Dabei ist vielen Menschen nicht bewußt, was eigentlich hinter dem Hühnerprodukt steckt. Wir bezahlen nur wenige Cent für ein Hühnerei – die Hühner aber kostet dies die Freiheit, die Gesundheit und schließlich ihr Leben. Zudem ist kaum jemandem bewußt, daß nach Ostern die nicht mehr benötigten Hennen getötet werden.

    Jährlich kommen hierzulande etwa 110 Millionen Hühnerküken (Lege- und Mastrassen) zur Welt, die niemals eine Glucke, eine Wiese oder das Sonnenlicht kennenlernen. Sie schlüpfen in riesigen vollautomatisierten Brütereibetrieben. Für den Eiermarkt haben internationale Biotech-Konzerne spezielle Hybridsorten mit höchster Legeleistung "designt". Die Hühner der Legerassen (egal ob für Bio-, Freiland- oder Intensivhaltung), werden gleich nach dem Schlüpfen „gesext“. Die Trennung nach Geschlecht wird durchgeführt, weil die auf höchste Eierproduktion gezüchteten Legehühner für die Fleischmast nicht wirtschaftlich sind. „Wertlose“ männliche Küken landen daher via Fließband direkt in Containern, wo sie mit CO2 vergast werden. Um diese Kosten zu sparen, läßt man sie aber oft einfach qualvoll ersticken. Nur die zu oberst liegenden Hühnerbabys piepsen noch längere Zeit kläglich nach der nicht vorhandenen Glucke.

    Die weiblichen Küken werden am Fließband geimpft, verpackt und verschickt, ihr Leidensweg beginnt erst. Bis zum zehnten Lebenstag wird den meisten von ihnen der Schnabel - durch den empfindliche Nerven laufen – ganz legal mit einem heißen Messer gestutzt, um das spätere gegenseitige – oft tödliche – Anpicken zu verhindern („Kannibalismus“). Die kleinen Küken, die den Transport, zusammengequetscht in Kisten und Kartons (oft sogar per Luftfracht rund um den halben Erdball) überleben, landen in den Käfigen der Aufzuchtbetriebe. Pro Quadratmeter sind hier - je nach Alter - 30 bis 60 Tiere erlaubt. Sobald sie mit etwa fünf Monaten die Legereife erreicht haben, ziehen sie in sogenannte „ausgestaltete“ Käfige um. Nach 12 bis 14 Monaten Eierlegen - danach fällt die „Legeleistung“ auf für die Betriebe „unwirtschaftliche“ 70 Prozent - werden sie ausgestallt, um - nach einem Horrortransport mit bis zu 6000 Hühnern pro LKW - als Suppenhühner, Chickenburger oder Katzenfutter zu enden.

    Aktion "Kein Segen für Tierleid":

    Wir wollen kein Oster-Braten werden!
    Zu Ostern feiert die Christenheit in ihren Gottesdiensten die angebliche Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Die kirchliche Tradition symbolisiert dieses Osterereignis durch ein Lamm, das dem Schlächter ausgeliefert, nun den Sieg des Lebens davon trägt. In Kirche und Gesellschaft ist daher dieses Osterfest oft verbunden mit üppigem Essen und aus dem Freudenfest der Christen wird ein Blutbad für die Tiere.

    Die Aktion „Kein Segen für Tierleid“, ins Leben gerufen von "Aktion Kirche und Tiere e.V." (AKUT), weist auf diesen Gegensatz hin und fordert Mitgefühl für die Tiere ein, die ebenfalls Gottes Geschöpfe und tief mit uns verwandt sind. Am Ostersonntag finden daher in vielen Großstädten Mahnwachen von Tierrechtsgruppen vor Kirchen statt, die von den Kirchen Engagement für die leidende Tierwelt einfordern. AKUT appelliert an alle Kirchenmitglieder und verantwortungsbewusste Menschen, zu Ostern statt üblicher fleischlicher "Gaumenfreuden" ein fleischloses Festmahl zu genießen.

  • Streiter wider Diktatur und Dogma: Karlheinz Deschner, Ankläger der Kirchen, ist tot

    Noch ein sehr lesenswerter Nachruf über das Wirken des nunmehr verstorbenen Religionskritikers Karlheinz Deschner :

    Exkommuniziert wurde er bereits 1951. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch keine Zeile seines kolossalen kirchenkritischen Werkes zu Papier gebracht. Die katholische Kirche ließ es Karlheinz Deschner nicht durchgehen, dass er seine zuvor geschiedene Lebensgefährtin ehelichte. Eine »ungültige Verbindung«, befand Julius Döpfner, Bischof von Würzburg, des für den Franken Deschner zuständigen Bistums. Keine Kompromisse.

    Die waren dem 1924 in Bamberg geborenen und in katholischer Sozialisation erwachsenen Schriftsteller gleichfalls fremd. »Ich schreibe aus Feindschaft«, bekannte er freimütig. Sein Feindbild waren jedoch nicht die Christen, sondern das Christen-TUM, das er als »einzigen Grund« dafür bezeichnete, dass er kein Christ sei. Es war der organisierte und institutionalisierte Glaube, wie ihn die Kirchen - voran die römisch-katholische - diktieren.

    Und es waren die aus der unheilvollen Dreifaltigkeit Diktatur, Dogma, Demut gezeugten Kreuzzüge, Kriege, Vernichtungswerke und andere Verbrechen gegen Gläubige, Andersgläubige, Nichtgläubige, sofern diese nur in irgendeiner Weise dem universalen und totalen Machtanspruch der klerikalen Klüngelherrschaft im Wege waren. Die Bücher und Schriften des hartnäckigen Aufklärers, die er nicht zuletzt dank privater Förderer überhaupt veröffentlichen konnte, lagen wie erratische Blöcke in der von Kirchengefälligkeit und bigotter Christlichkeit geprägten Meinungslandschaft der Bonner Republik. 1971 stand er gar wegen »Kirchenbeschimpfung« vor Gericht. Das Verfahren wurde eingestellt. Der Grund: »Geringfügigkeit«.

    Nun ist Geringfügigkeit wohl das Letzte, was man Deschner vorwerfen kann. Allein sein Opus magnum »Kriminalgeschichte des Christentums«, dessen zehnter und abschließender Band vor einem Jahr erschien, umfasst summa summarum rund 6000 Druckseiten und reicht vom 14. »vorchristlichen« Jahrhundert bis zum Niedergang des Papsttums im 18. Jahrhundert.

    Deschner war kein Exeget, der sich über antike Pergamente und staubige Schriften beugte. Er wertete und beutete aus, was die historische Forschung vorgelegt hatte. Einen »Kompilator« nannte ihn - durchaus würdigend - Hubertus Mynarek, ein anderer Alt- und Großmeister der Kirchenkritik in Deutschland. Der Vorwurf, dass dieses Zusammentragen einseitig geschah, trifft zweifellos zu. Doch für Deschner war es die schlimme Seite einer Sache, die entlarvt werden musste, weil sie dieser Sache letztlich das Gepräge gab. Das hielt er nicht anders bei seiner Kritik politischer Ideologien oder des Umgangs mit den Tieren, den er im Anschluss an ein Gandhi-Wort »das schwärzeste aller Verbrechen« nannte.

    Karlheinz Deschner (89) starb am Dienstag, dem 8.April in Haßfurt/Unterfranken.

    Quelle: www.neues-deutschland.de

  • Rainbow-Warriors: Folge 48

    Iraklis Dimitriadis - Voice of Animals - ist die Stimme der Tiere in Griechenland! Jeder liebe Leser sollte unbedingt auf seine Facebook-Seite gehen und sich sein wunderbares Werk ansehen! Ja, aller zweibeinigen Bestien zum Trotz, solch wunderbare Menschen beherbergt dieser Planet eben auch!

    Man muss weit gehen, bis man eine Seele mit so viel Herzensguete findet, welche mehr fuer Tiere tut, als viele Menschen! Wie reich und beschenkt ist so ein Leben, welches voll und ganz fuer die unschuldigsten Geschoepfe - die Tiere - alles gibt, was in seiner Moeglichkeit steht!

    Eine ebenso enorme Leistung wie unser erster Gast - vollbringt Radu Termure in Rumaenien! Ich bin sehr stolz darauf, solche Facebook-Freunde zu haben, denn durch sie verliere ich die Zuversicht und den Lebensmut doch noch nicht ganz!

    Ich weiss, wie unendlich schwierig die Situation fuer Radu Termure ist, zumal das ganze Tierheim niederbrannte - mitsamt den sich darin befindenden Tieren und der Betreuerin. Aber unermuedlich geht er hinaus in die Strassen der Staedte und die Felder - und rettet Tiere, vor allem Hunde, wo er nur kann! Sie werden verarztet und gepflegt und finden bei ihm ein sicheres trautes Obdach mit viel Waerme und Liebe!

    Ich bin sehr beruehrt, wenn ich an unsere zwei heutigen 'Rainbow-Warriors' denke, denn sie haben nicht die einfache und bequeme Seite des Lebens gewaehlt! Mit ihrem grossartigen Einsatz ist viel Verantwortung, Schmerz, aber auch Freude und unendlich viel Liebe verbunden!

    Wir hoffen von ganzem Herzen, dass unsere zwei Helden noch ganz vielen Tieren helfen koennen und dabei gesund und stark bleiben! Verharren wir ihnen zu Ehren eine Minute in Schweigen!

    Liebe Gruesse von Siraganda

  • Am 8.April verstorben: Karlheinz Deschner - ein Mensch mit Herz und Verstand

    Wenn ich bisher auch noch nicht jedes seiner geschriebenen Bücher gelesen habe, so steht dennoch über jeden Zweifel fest, dass ich Karlheinz Deschner angesichts seiner religionskritischen Haltung und Überzeugung stets mit Hochachtung begegnet bin und ihn als Tierfreund und Religionskritiker sehr geschätzt und bewundert habe.

    Demnach ist es mir wohl auch mit einiger Bestürzung und grossem Bedauern unter meine Haut gefahren, dank des am 10. April getätigten Blog-Eintrags von Tier - und Blogfreund Hubert auf http://hubwenzl.blog.de erfahren und lesen zu müssen, dass Karlheinz Deschner am 8. April in einer Klinik in seinem Wohnort Haßfurt verstorben ist.

    Nachfolgend ein auf www.mainpost.de erschienener und ebenso auch auf Hubert´s Blog nachzulesender und sehr guter Nachruf auf Karlheinz Deschner :

    Bissig, bisweilen gnadenlos sprang er mit Kirche und Klerus um. Doch im Gespräch entpuppte sich Karlheinz Deschner als stiller, nachdenklicher Mensch. Am Morgen des 8. April ist der „warmherzige Melancholiker“, wie ihn sein Lektor genannt hatte, der Autor der „Kriminalgeschichte des Christentums“, im Alter von 89 Jahren in einer Klinik seines Wohnortes Haßfurt gestorben. Dies teilte seine Mitarbeiterin Gabriele Röwer am vergangenem Mittwoch mit.

    Regale an allen Wänden, Tausende Bücher bis unter die Decke: Das Zimmer, in das Karlheinz Deschner den Besucher bat, verriet den Intellektuellen. Reden, erklärte er beinahe entschuldigend, liege ihm nicht. Ganz präzise, wie das eben nur schriftlich geht, wollte er seine Gedanken immer fassen. Konsequent (manche sagten: stur) dachte er sie zu Ende und zog seine Schlüsse. So einer – gleich gar, wenn er gegen die Kirche wettert – ruft Widerstand hervor. Man schrieb gegen Deschner an, gab ein dickes Buch heraus. 1971 stand er wegen „Kirchenbeschimpfung“ in Nürnberg vor Gericht. Der Fall wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.

    Der letzte Band seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“ erschien 2013, wurde von den Feuilletons wahrgenommen – doch der Sturm der Entrüstung, den die ersten Bände hervorgerufen hatten, blieb aus. Kirchenkritisch war der gebürtige Bamberger schon in jungen Jahren. Auch seine Dissertation bei den Germanisten an der Würzburger Uni über Lenaus Lyrik war ihm in diese Richtung geraten.

    Jahrzehntelang bewältigte der Frühaufsteher ein Zwölf-Stunden-Arbeitspensum, tippte eisern auf der Olympia-Schreibmaschine, werktags, sonntags, feiertags. Jahrelang balancierte er an der Armutsgrenze. Mit 43 wehrte sich der Körper – Herzinfarkt.

    1970 hatte er mit dem Rowohlt-Verlag einen einzigen Band „Kriminalgeschichte“ vereinbart. Des Autors Perfektionismus bei der Recherche ließ daraus zehn Bände werden, aus geplanten 350 Seiten 5820, auf denen er, vielleicht ein bisschen wie Don Quichotte gegen Windmühlen, gegen die Kirche anrannte. Deschner war sich dessen durchaus bewusst: „Ich kann die Welt nicht ändern.“ Missionarischer Eifer sei ihm fremd, aber: „Manche Dinge müssen einfach gesagt werden.“

    Karlheinz Deschner wirkte eher traurig als bösartig, wenn er über Religion und ihre Folgen sprach. Wie auch anders, wo doch – so meinte er – über Jahrhunderte hinweg unter dem Deckmantel des Christentums Gräueltaten verübt worden seien: „Der Glaube hat die Menschen auf die Schlachtfelder getrieben.“ Deschner war indes nicht so kurzsichtig, Derartiges nur dem Christentum anzulasten, wenn er sich in seiner Kritik auch darauf konzentrierte. Alle großen monotheistischen Religionen und auch manche politische Ideologie hätten die gleiche Wirkung: Sie gaukeln ein geschlossenes Weltbild vor. Mit der fatalen Folge, dass sich ihre Anhänger im Besitz der Wahrheit wähnen und sie anderen aufdrängen wollen. Wenn nötig mit Gewalt. Verzicht auf Religion hielt er folgerichtig für eine Voraussetzung zum toleranten Miteinander.

    Die Publicity um die „Kriminalgeschichte“ hat eines immer verdeckt: Deschner war auch ein wortmächtiger Autor von Kurzgeschichten. Seine plastischen Schilderungen, etwa von Spaziergängen in der fränkischen Heimat, sind ein Lese-Erlebnis. Auch für jene, die mit seiner Religionskritik nichts anfangen können.

    Nachruf: Ralph Heringlehner

    Und hier noch ein im Jahr 2008 geführtes und sehr interessantes Interview der Mainpost mit Religionskritiker Karlheinz Deschner über die Kriminalgeschichte des Christentums. Deschner schrieb darüber ein 10-bändiges Werk, welches zu seinem Lebenswerk wurde. Seit 1986 arbeitete Karlheinz Deschner an der "Kriminalgeschichte des Christentums". Der 2008 bei Rowohlt erschienene Band 9 behandelt die Zeit von der Mitte des 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts. Das auf zehn Bände angelegte Werk macht Karlheinz Deschner zu Deutschlands profiliertestem Kirchenkritiker.

    Und hier das Gespräch mit dem damals 84-Jährigen studierten Theologen und promovierten Germanisten über die Kirche, ihre Macht, deren Missbrauch und die Lehre Jesu.

    Frage: Herr Deschner, Sie arbeiten nun seit über 20 Jahren an der "Kriminalgeschichte des Christentums". Erste kirchenkritische Schriften von Ihnen erschienen vor über 50 Jahren. Was hat Sie über diesen langen Zeitraum hinweg motiviert?

    Karlheinz Deschner: Schlicht die Tatsache, dass ich Unrecht nicht leiden kann, dito Heuchelei. Zumal wenn man beide in welthistorischen Dimensionen praktiziert; wenn man, ganz systematisch, das Geschehene umfälscht; aus Massenmördern Heroen, Vorbilder, "die Großen" macht, aus Gaunerchen und Gaunern "Heilige"; wenn man das himmelschreiende Unrecht der "Heilsgeschichte" von Jahrhundert zu Jahrhundert in lammfromme Sprüche verpackt, in unverschämte Lügen. Oder rief nicht schon Helvétius: Wenn man ihre Heiligenlegenden liest, findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern?

    Sie haben akribisch Gräueltaten, Völkermorde, Folterungen aufgezeigt, die über die Jahrhunderte hinweg von Menschen an Menschen verübt wurden – die Schuld daran suchen Sie im christlichen Glauben. Aber ist tatsächlich der Glaube, die Religion daran schuld – oder ist nicht der Mensch von vorneherein böse und zum Frieden unfähig? Gräueltaten werden auch im Namen anderer Religionen verübt. . . man denke nur an den 11. September 2001.

    Deschner: Aber entlastet es denn das Christentum, dass auch andere Religionen kriminell sind? Voran die monotheistischen, die kraft des Auserwähltheitsanspruchs ihrer "Offenbarungen" etwas besonders Chauvinistisches haben, die extrem gewalttätig sind? Entlastet es denn einen Verbrecher, dass auch andere Leute Verbrecher sind?
    Und wenn der Mensch von vornherein böse war, ich weiß es nicht, entbürdet dies das Christentum, das gerade seine größten Scheußlichkeiten stets im Namen Gottes und der Religion begangen hat? Sklaverei, Inquisition, Indianerausrottung, Kreuzzüge, Kreuzzüge in alle Himmelsrichtungen, überhaupt ungezählte Gemetzel (im 17. Jahrhundert führten christliche Staaten nur in einem einzigen Jahr keinen Krieg!) bis hin zu den von allen Kirchen fanatisch geförderten Weltkriegen des 20. Jahrhunderts.

    Was den "11.September" betrifft, bleibt erst noch abzuwarten, ob ein islamisches Monsterdelikt dahintersteckt oder ein christlicher Staatsakt sozusagen, der übrigens sehr an Pearl Harbor denken lässt auf der Hawaii-Insel Oahu, wo am 7. Dezember 1941 Franklin Delano Roosevelt, der Präsident der Vereinigten Staaten, einen Großteil der US-Pazifikflotte kühl kalkuliert in den Meeresgrund bomben ließ und fast zweieinhalb Tausend amerikanische Soldaten dazu, um einen Kriegsgrund gegen Japan zu bekommen.

    Ob die Welt wohl friedlicher wäre, wenn man die Religion aus den Köpfen herausbringen könnte? Ich fürchte, dann würden die Machtgierigen andere Vorwände finden, um ihre Macht gewaltsam auszuweiten oder zu zementieren.

    Deschner: Ohne Religion, ohne institutionalisierte Religion, wäre ein gewaltiger Faktor des Unfriedens beseitigt, aber gewiss nicht der Unfrieden an sich. Die Mächtigen, Sie haben recht, fänden andere Vorwände für die Ausübung ihrer Macht. Denn Macht ist da alles. Ohne Macht sind Machthaber nichts und vermögen sie nichts. Das ganze große Welttheater hat sich immer zuerst und zuletzt um Macht gedreht. Macht aber führt früher oder später zu Gewalt. Und Gewalt führt zu Verbrechen. Jede Weltmacht wurde Weltmacht durch Verbrechen, neben denen alle Werke der Unterwelt verblassen.

    Sehen Sie über die Jahrhunderte hinweg eine Entwicklung zum Besseren? Zu mehr Toleranz, zu mehr Friedfertigkeit bei den christlichen Kirchen? Schließlich führt der Papst keine Kriege mehr gegen Heiden . . .

    Deschner: Nein, Kriege, Kriege in eigener Regie, führt der Papst inzwischen keine mehr, nicht mehr gegen Heiden und nicht mehr gegen Christen, weil man ihm alles, womit er jahrhundertelang Kriege geführt, weggenommen hat – Truppen, Generäle, Schlachtschiffe, Kanonen, Festungen, Waffenfabriken. Doch gibt es Möglichkeiten, die Menschheit auf andere Weise, gleichsam friedlicher, zu bekämpfen.

    Ideologisch, durch dogmatischen Wahnsinn, der sich ja nie mit dem bloßen Glauben begnügt, der "missionieren", ausgreifen will; durch Unterstützung einer desaströsen Gesellschaftsmoral, die die Armen zugunsten der Reichen betrügt; durch eine desaströse Sexualmoral, die im Mutterschoß schützt, was sie preisgibt im Krieg; durch das Verbot der Empfängnisverhütung, das noch Opfer fordern könnte, wenn es gar kein Papsttum mehr gibt, aber Opfer solange Menschen leben werden und sterben. Im Übrigen ist das Papsttum, seine ganze Geschichte beweist es, intolerant durch und durch, ist tolerant nur, wenn es die Opportunität erheischt, wenn es zweckdienlich ist, wenn es einfach nicht mehr anders geht, aber nur dann!

    Dass Bücher wie die Ihren erscheinen können – ist das nicht Zeichen einer Verbesserung?

    Deschner: Ach ja, so fragt man häufiger. Auch ich selbst soll der leibhaftige Gegenbeweis meiner kirchenfeindlichen Haltung sein. Denn wären, sagt man, meine Gegner wirklich so schlecht, wie sie bei mir erscheinen, würde ich dann noch leben? Aber könnte ich nicht, frage ich zurück, vielleicht gerade diesem Gedankengang mein Leben verdanken?

    Die Verbesserung ist also nur eine vermeintliche – ist sie einfach nur der Tatsache geschuldet, dass die Kirche an Macht eingebüßt hat?

    Deschner: Natürlich ist die "Verbesserung" bloß scheinbar, ist sie erzwungen. Seit Paulus, das heißt von Anbeginn, und gerade von Anbeginn an, lebt das Christentum von der Anpassung. Und gar keine Frage: Man hat nicht erst heute weniger Macht. Aber man hat noch Macht, teilweise enorme Macht. Doch man operiert subtiler, ja. Man täte wenig lieber, als unsereinen zu foltern und zu verbrennen, "schön von unten herauf", hätte man die Macht dazu.
    Kein Geringerer aber als der englische Schriftsteller und Konvertit Gilbert Keith Chesterton konnte sich gut eine Zukunft denken mit dem ganzen Apparat der Inquisition, mit Tortur und Scheiterhaufen.

    Wer Ihre "Kriminalgeschichte" liest, kommt zu der Erkenntnis, dass das Christentum nicht mehr viel mit der Lehre Jesu zu tun hat. Wie konnten die Ursprünge in Vergessenheit geraten?

    Deschner: Mit der überlieferten Lehre Jesu hatte das Christentum nie viel zu tun. Wir wissen ja nicht einmal annähernd, was Jesus gelehrt hat. Die Evangelisten, das betont die gesamte kritische Bibelwissenschaft, hatten an historischer Realität überhaupt kein Interesse. Ihre von Ungereimtheiten und Widersprüchen nur so strotzenden Schriften sind mythologische Literaturprodukte, Erzeugnisse der gläubigen Gemeindefantasie, sind nur, wörtlich, mit äußerster Vorsicht zu benutzende "Anekdotensammlungen".

    Einmütig ferner erklärt die moderne historisch kritische christliche Theologie, dass sich auch von Jesu Leben so gut wie nichts mehr erkennen lasse. Zwar hält sie an seiner Existenz als solcher fest. Doch sicher ist auch dies nicht. Es spricht eben so viel dafür wie dagegen – die Profangeschichte jener Zeit ist unergiebig. Ob aber historisch oder nicht, fest steht: Der Gründer des Christentums ist nicht Jesus, sondern Paulus. Und weit wichtiger noch: Nichts im Christentum ist originell. Vom zentralsten Dogma bis zum periphersten Brauch ist alles, restlos alles, schon vorher da gewesen, im Judentum, im Hellenismus, in der indischen Geisteswelt.

    Können Sie Beispiele nennen?

    Deschner: Trinitäten, die Messias-Idee, die Naherwartung des Endes, vom Himmel kommende Gottessöhne, vom "Vater" gesandte Erlöser, Jungfrauensöhne, die Geburt in der Krippe, die Geschichte vom leeren Grab, Himmelfahrten lebendigen Leibes. Natürlich gab es Wunder massenweise. Man lebte, schreibt der Theologe Trede, denkend und glaubend in einer Wunderwelt wie der Fisch im Wasser.

    So gibt es auch kein Wunder in den Evangelien, das nicht schon vorher gewirkt worden wäre, ob Geisteraustreibungen, wunderbare Speisevermehrungen, ob Wandel auf dem Wasser oder Totenerweckungen. Es gab Wallfahrtsstätten wie heute Lourdes, gab eine sakramentale Taufe, ein sakramentales Mahl, überhaupt die Siebenzahl der Sakramente, die Zwölfzahl der Apostel, den Verräter. Es gab leidende, sterbende und wieder auferstehende Gottessöhne, auch nach drei Tagen oder am dritten Tag wieder auferstehende, es gab gekreuzigte Götter. Die Dionysos-Gemeinden haben ihren Gott über einem Altartisch mit Weingefäßen am Kreuz verehrt.
    Genug – man könnte, ich übertreibe nicht, stundenlang oft bis in die kleinsten Gemeinsamkeiten gehende Details aufzählen, und gläubige Zweifler finden all dies und mehr auch und gerade in den Forschungen kritischer christlicher Theologen belegt –
    denn nichts im Christentum ist neu auch nicht sein sogenanntes "Proprium", die Nächsten –, die Feindesliebe, worum man sich ohnehin am wenigsten gekümmert, kurz, vom Weihnachtsfest zur Himmelfahrt: lauter Plagiate!

    Das Gespräch führte Ralph Heringlehner

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