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  • Positionen der Tier - und Naturethik

    Die Liste der Praktiken, bei denen das Wohlbefinden und Leben vieler Tiere zugunsten keineswegs lebensnotwendiger Bedürfnisse des Menschen geopfert werden, ist unendlich lang. Sofern sie von einer sehr fragwürdigen Moral der meisten Menschen gutgeheissen und durch den Gesetzgeber legitimiert werden, steht dahinter immer eine radikal speziesistische Haltung. So stellt auch der Gesetzgeber die trivialsten Interessen des Menschen wie Genuss, Luxus oder Vergnügen über das Leben der Tiere.

    Doch ist es wirklich notwendig, dass sich Menschen mit tierlichen Produkten ernähren?
    Jährlich werden etliche Milliarden Tiere allein zum Zwecke der menschlichen Ernährung geschlachtet, Fische und andere Meerestiere nicht einberechnet. Vieles spricht dafür, dass für die meisten Menschen der Konsum tierlicher Produkte vornehmlich auf Genuss, Gewohnheit oder Bequemlichkeit beruht und damit der Befriedigung typisch trivialer Bedürfnisse dient.

    Laut obersten Grundsatz unseres Tierschutzgesetzes dürfen wir Tieren keine unnötigen Schmerzen zufügen. Da jedoch eine Ernährung mit tierlichen Produkten heutzutage nicht mehr notwendig und erforderlich ist, sondern lediglich den trivialen Vorlieben des Menschen dient, hat dies natürlich schwerwiegende Konsequenzen: Weil es für die meisten Menschen nach wie vor selbstverständlich ist, Tiere als Ressourcen zu behandeln, die angeblich für uns Menschen da sind und über die der Mensch daher auch nach Belieben verfügen zu dürfen glaubt, sind derlei Praktiken für die Tiere mit erheblichen und leidvollen Einschränkungen ihres Daseins und Wohlbefindens verbunden und können somit aus tierethischer Sicht moralisch nie und nimmer gerechtfertigt werden.

    Die Frage, ob wir Menschen gegenüber den Tieren moralische Verpflichtungen haben, beantwortet sich somit von selbst. Aber was heisst das für unser Denken und Handeln? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Tier- und Naturethik (auch „ökologische Ethik“ oder „Umweltethik“ genannt). Die folgenden Auszüge aus einem Artikel von www.tier-im-fokus.ch bieten uns einen groben Überblick über die wichtigsten Positionen innerhalb dieser beiden Teilbereiche.

    Grundsätzlich lassen sich in der Tier - und Naturethik vier Ansätze unterscheiden:

    • Anthropozentrismus: Einzig der Mensch hat moralischen Wert; er allein ist es, der in ethischer Hinsicht zählt.
    • Pathozentrismus: Nicht bloss Menschen, sondern alle empfindungs- oder leidensfähigen Wesen sind in moralischer Hinsicht zu berücksichtigen und gelten somit als moralische Wesen.
    • Biozentrismus: Alle (und nur) Lebewesen sind in moralischer Hinsicht zu berücksichtigen.
    • Holismus: Nicht bloss Lebewesen, sondern die gesamte Natur ist in moralischer Hinsicht zu berücksichtigen.

    Anmerkungen zum Anthropozentrismus:

    In der Regel zeichnet sich diese Position dadurch aus, dass sich der Mensch aus der Umwelt oder dem Tierreich herausnimmt und nicht-menschliche Lebewesen nur als Ressourcen ansieht, die für ihn da sind und über die er frei verfügen darf.

    Der Anthropozentrismus kann unterschiedlich begründet sein. Beispielsweise wird aus religiösen Motiven darauf hingewiesen wird, dass der Mensch Gottes Ebenbild und mithin die Krone der Schöpfung sei. Häufig beruft man sich aber auf andere Merkmale wie z.B. die Vernunft, die angeblich einzig und allein nur dem Menschen zukäme. Aber ist nicht gerade dieses Argument hinsichtlich der menschlichen Vernunft eine ganz besondere Verpflichtung für moralisches und ethisches Handeln?

    Vom Menschen abgesehen, hat das „Natürliche“ im Anthropozentrismus also keinen Wert an sich. Wenn überhaupt, so verfügt die Natur bloss über instrumentellen Wert: Sie ist nur insofern wertvoll, als sie für den Menschen von Nutzen ist. Entsprechend gibt es keine moralischen Verpflichtungen, die der Mensch gegenüber der Natur hätte, oder genauer: diese Pflichten sind bestenfalls indirekter Art und letztlich dem Menschen selbst geschuldet.

    Anthropozentristen werden die Natur demnach nur insoweit schützen, als sie darin einen Vorteil für den Menschen sehen wie z.B. die Erhaltung von Lebensräumen oder ästhetisches Wohlgefallen an der Natur. Wo sie keinen solchen Nutzen erkennen, haben sie auch keinen Grund, auf die Natur Rücksicht zu nehmen.

    Anmerkungen zum Pathozentrismus:

    Der Pathozentrismus kann als direkte Kritik am Anthropozentrismus bzw. an der einseitigen Ausrichtung auf die Vernunft als alles entscheidendes Merkmal moralischer Wesen aufgefasst werden. Geht es darum, wie wir mit Lebewesen umgehen, kommt es nicht darauf an, ob sie denken können. Die Frage, so bereits Jeremy Bentham, lautet vielmehr: „Können sie leiden?“

    Dass ein Lebewesen empfindungs- und leidensfähig ist, bedeutet, dass es über eigene Wahrnehmungen, Bedürfnisse oder Gefühle verfügt sowie in der Lage ist, Lust und Leid zu erleben. Nach diesem Verständnis ist Empfindungsfähigkeit eine Voraussetzung, um Lebewesen Interessen zuzuschreiben. Dazu gehört insbesondere das Interesse, Leiden zu vermeiden. Genau dieses Interesse gilt es aus pathozentristischer Sicht im Umgang mit empfindungsfähigen Wesen zu berücksichtigen: Wir sollten alles daran setzen, sie nicht leiden zu lassen.

    Anmerkungen zum Biozentrismus:

    Nicht bloss Empfindungsfähigkeit, sondern das Leben selbst ist nach biozentristischer Lehre bereits ein ausreichender Grund für moralische Rücksichtnahme. Häufig werden biozentristische Ansätze auch dem Physiozentrismus zugerechnet, womit statt vom „Leben“ eher von der „Natur“ die Rede ist.

    Nach dieser Theorie hat der Mensch gegenüber der Natur direkte Pflichten. Die Natur ist für sich genommen wertvoll; deshalb ist sie um ihrer selbst willen zu schützen. Sie besitzt nicht wie im Anthropozentrismus bloss instrumentellen Wert. Vielmehr hat die Natur aufgrund ihrer teleologischen (zweckgerichteten) Organisation ein „eigenes Wohl“ oder „Gut“.

    Was dies bedeutet, erklärt der amerikanische Philosoph Paul W. Taylor wie folgt: „Für eine Entität ist gut, was „ihr gut tut“ in dem Sinne, dass es ihr Leben oder Wohlergehen steigert oder erhält. Für eine Entität ist etwas schlecht, das ihrem Leben oder Wohlergehen abträglich ist“. Anders als für Biozentristen wie etwa Albert Schweitzer, ist für einen Physiozentristen wie Taylor nicht bereits das Leben an sich ein ausreichender Grund für seine Schutzwürdigkeit, sondern erst das Wohl eines Lebewesens.
      
    Anmerkungen zum Holismus:

    Mitunter wird der Holismus auch “radikaler Physiozentrismus” genannt. Holisten sind der Meinung, dass nicht nur Einzeldinge wie Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine oder Flüsse um ihrer selbst willen zu schützen seien, sondern auch Kollektivwesen wie Ökosysteme, Arten oder Populationen. Mit anderen Worten ist auf die Natur als Ganzes Rücksicht zu nehmen.

    Das Spektrum reicht also von Positionen, die einzig den Menschen für moralisch wertvoll halten (Anthropozentrismus), bis hin zu Ansätzen, wonach die Natur als Ganzheit zu respektieren ist (Holismus). So gesehen handelt es sich bei diesen Konzeptionen um Versuche, die Grundsätze der anthropozentristischen Ethik wie etwa das Prinzip der Achtung oder des Respekts auf andere Bereiche der Natur auszudehnen: Während es im Pathozentrismus empfindungsfähige Wesen sind, denen moralische Rücksichtsnahme zuteil wird, ist es im Biozentrismus das Leben selbst, im Physiozentrismus das Wohl des Lebens und im Holismus die gesamte Natur.

    Quelle: www.tier-im-fokus.ch

  • Petition gegen hinduistisches und grausames Opferfest

    Stelle Dir einen jungen Wasserbüffel vor, der gemeinsam mit seiner Mutter zum Gadhimai-Tempel in Nepal getrieben wird. Dort angekommen sieht er zunächst dutzende, dann hunderte von Tieren, die mit Prügeln und Schwertern attackiert werden. In Panik drängt er sich an seine Mutter und muss im nächsten Augenblick mitansehen, wie sie niedergemetzelt wird.

    Solche Szenen sind keine Ausnahme, sondern die Regel beim Gadhimai-Fest. Mehr als 500.000 unschuldige Tiere sollen im November 2014 beim weltgrößten Opferfest in Nepal sterben. Nach einer hinduistischen Tradition werden alle fünf Jahre über die Dauer von einem Monat hunderttausende Tiere der Göttin Gadhimai geopfert. Die Opferungen sollen Gesundheit und Wohlstand bringen, tatsächlich aber bedeuten sie nur Qualen und Leid.

    Wenn wir jetzt nicht handeln, werden im November eine halbe Millionen Tiere auf grausamste Art und Weise abgeschlachtet. Wir alle wissen, dass so etwas nicht passieren darf. Wir fordern jedoch nicht das Ende der Tradition des Festes, sondern lediglich ein Ende der Tieropferungen.

    Unterzeichne bitte die Petition gegen dieses Massaker beim Gadhimai-Fest und lasse somit die nepalesische Regierung wissen, dass Tieropfer nicht akzeptabel sind.

    Petition E

  • Argumente contra Speziesismus - Teil 2

    Weitere Argumente der Speziesisten und wissenswerte Gegenargumente :
        
    Menschen haben Tiere erzeugt (gezüchtet). Daher haben sie auch ein Recht darüber zu bestimmen, wie sie sie behandeln!

    Dass Menschen Tiere erzeugt haben, gilt nur bedingt. Nahezu alle freilebenden Tiere, die ausgebeutet und getötet werden, wurden nicht von Menschen erzeugt. Das betrifft bei den Landtieren nur einen kleinen, bei den Meerestieren jedoch den größten Teil. Vor allem aber folgt aus dem einen nicht das andere. Auch Eltern haben ihre Kinder erzeugt, dennoch gibt dies ihnen nicht das Recht, sie wie ihr Eigentum zu behandeln (und z.B. für Experimente zu verkaufen). Eltern haben zwar ein gewisses Bestimmungsrecht über ihre Kinder, doch dürfen sie deren Grundrechte nicht verletzen. Ähnliches gilt für viele Sklavenhaltergesellschaften. Dort wurden nicht nur Zivilisten oder Kriegsgefangene versklavt, sondern auch bereits gefangene Sklaven zur “Reproduktion” gezwungen, weil dies die billigste Methode war, neue Sklaven zu beschaffen. Auch hier würde niemand behaupten, diese Menschen zu versklaven sei gerechtfertigt, weil die Sklavenhalter sie (direkt oder indirekt) erzeugt haben.
       
    Rechte sind eine menschliche Erfindung, sie werden von Menschen gemacht und gelten nur für Menschen.

    Dieses Argument wird mit einem Blick in die Geschichte hinfällig. Die Rechte, die Weiße gemacht hatten und nur für Weiße galten, konnten auch auf Menschen anderer Hautfarbe erweitert werden. Die Rechte, die Männer gemacht hatten und nur für Männer galten, konnten auf Frauen ausgedehnt werden. Auch die Rechte, die geistig gesunde Menschen gemacht hatten und nur für sie galten, konnten auf geistig behinderte Menschen ausgeweitet werden (obwohl manche dieser Behinderten diese Rechte nicht verstehen oder gegenüber anderen einhalten konnten). Daher gibt es keinen Grund, menschliche Grundrechte nicht auch auf nichtmenschliche Tiere auszuweiten.

    Argument religiöser Speziesisten:  
    Gott hat die Herrschaft über die Tiere legitimiert und nur Rechte für Menschen geboten! Außerdem haben Tiere keine Seele!

    Dieses Argument ist letztlich nur für Gläubige gültig, denn auf den großen und stetig wachsenden Anteil der Atheisten in den modernen Gesellschaften ist es hingegen nicht anwendbar. Dazu kommt, dass Menschenrechte aus den einschlägigen religiösen Texten (was in unserem Kulturkreis die Bibel betrifft) nicht abgeleitet werden können. Dort ist nirgendwo von Menschenrechten die Rede, stattdessen gibt es eine Vielzahl von Stellen, in denen die Sklaverei gerechtfertigt wird. Die Idee der universalen Menschenrechte ist hingegen eine Errungenschaft der säkularen Aufklärung.
    Und was die Seele betrifft: Wenn sie als etwas verstanden wird, das nach dem Tod weiterlebt, hilft dieses Argument nicht um zu begründen, weshalb man die Lebewesen mit und jene ohne Seele während des Lebens unterschiedlich behandeln darf. Wenn es für Menschen ein Leben nach dem Tod gäbe und für andere Tiere nicht, würde das vielmehr dafür sprechen, gerade Tiere gut zu behandeln, da sie den “Trost des ewigen Lebens” nicht haben. Generell müsste für diese Argumentation die Existenz von Gott oder der Seele jedoch erst bewiesen werden. Die Erkenntnisse der Wissenschaft besagen allerdings das Gegenteil.

    Diese und weitere Argumente des Speziesismus sind weit verbreitet, doch es sind und bleiben sehr schwache und wenig überzeugende Argumente, weil sehr einfach aufgezeigt werden kann, dass sie logisch nicht konsistent sind, in vergleichbaren Fällen nicht gelten oder die dahinter stehenden Voraussetzungen nicht existieren.
     
    Und noch mehr haltlose Argumente:

    Nur Menschen können Schmerz empfinden, denn nur sie können uns das durch Sprache mitteilen. Ob andere Tiere ebenfalls Schmerz empfinden, selbst wenn ihr Verhalten ähnlich dem menschlichen Verhalten bei Schmerzempfindung ist, lässt sich nicht beweisen!

    Gegen diese Begründung sprechen das Analogie- und das Evolutionsargument. Das Analogieargument besagt : Viele nichtmenschliche Tiere haben Schmerzrezeptoren, die mit einem Zentralnervensystem verbunden sind und bei Reizung entsprechende Signale abgeben. Man kann ihre Schmerzen durch schmerzstillende Mittel lindern, ihr Körper produziert körpereigene Stoffe zur Schmerzlinderung und Verletzungen lösen das Verhalten aus, sich dem Schmerzreiz zu entziehen. Da Tiere diese Merkmale mit Menschen gemeinsam haben, ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Schmerzempfindungen nicht ähnlich sind.

    Das Evolutionsargument besagt: Schmerzempfindung hat die biologische Funktion, Schaden zu vermeiden und damit die Überlebenschancen zu erhöhen. Dieser Zweck wird bei nichtmenschlichen Tieren auf die gleiche Weise wie bei Menschen erfüllt. Er ist evolutionär sinnvoll; und da Menschen mit anderen Tieren eine gemeinsame evolutionäre Vergangenheit teilen, macht dies die gleiche Funktionsweise der Schmerzwahrnehmung plausibel. Die Argumentationsvariante, dass Tiere Schmerzen spüren könnten, aber nicht bewusst wahrnehmen, ist auch dem Grund unwahrscheinlich: würden sie ihn nicht wahrnehmen, könnte er die biologische Funktion nicht erfüllen. Darüber hinaus kommt die Fähigkeit zur Schmerzempfindung nicht allen Menschen zu. So haben Menschen mit angeborener Analgesie (Schmerzunempfindlichkeit) kein Schmerzempfinden. Dennoch besitzen sie die gleichen Grundrechte wie alle anderen Menschen.

    Tiere sind weniger intelligent als Menschen, daher dürfen sie auch anders behandelt werden!

    Menschen sind nur dann im Durchschnitt die intelligentesten Tiere, wenn die menschliche Intelligenz als Maßstab angesetzt wird. Dafür gibt es jedoch keinen plausiblen Grund. Vor allem aber fehlt die ethische Relevanz dieses Arguments. Menschen, die intelligenter sind als andere, haben deshalb nicht mehr Grundrechte. Joan Dunayer illustriert diese Irrelevanz am Beispiel eines geistig schwer behinderten Menschen mit einem Intelligenzquotienten von 9 Punkten, dem durch den obersten Gerichtshof der USA volle Grundrechte zugesichert wurden. Ein Gorilla, dessen Intelligenzquotient auf 90 Punkte geschätzt wurde, hatte hingegen keinerlei Rechte. Demnach ist die Intelligenz für Grundrechte ethisch nicht relevant.

    Tiere können nicht wie Menschen reflektieren. Daher dürfen sie auch ungleich behandelt werden!

    Mit der Behauptung, nichtmenschlichen Tiere fehle das Reflektionsvermögen, kann gemeint sein, dass sie ihre Stellung in der Welt nicht reflektieren können. Das ist jedoch fraglich. Viele Tiere haben Gedanken in Form von mentalen Repräsentationen, d.h. sie interpretieren Dinge in ihrer Umwelt und verhalten sich dementsprechend.

    Wiederum fehlt aber auch hier die ethische Relevanz dieses Arguments. Kleinkinder bis zu einem bestimmten Alter sowie geistig behinderte Menschen ab einer bestimmten Schwere der Behinderung können sich wahrscheinlich auch nicht in der Welt verorten und auch keine Metagedanken bilden. Dennoch werden ihnen Grundrechte nicht abgesprochen oder vorenthalten. Das Reflexionsvermögen ist also kein ethisch relevantes Kriterium.

    Weil der Mensch ein Bewusstsein von der Zukunft hat, hat er ein Interesse weiterzuleben. Tiere hingegen haben kein Zukunftsbewusstsein und daher keine Wünsche für die Zukunft und auch kein Interesse am Weiterleben. Deshalb fügt man ihnen keinen Schaden zu, wenn man sie tötet!

    An diesem Argument ist zweierlei fraglich:
    Ein Zukunftsbewusstsein ist nicht erforderlich, damit ein Tier ein Interesse am Weiterleben hat. Wie Gary L. Francione und David DeGrazia argumentieren, hat jedes Lebewesen, das empfindungsfähig ist, ein Interesse daran, Freude zu vermehren und Leid zu vermeiden. Wird es getötet, ist es nicht mehr in der Lage, Freude zu vermehren. Um diese Möglichkeit zu erhalten, muss es daher zwangsläufig ein Interesse am Erhalt dieses Zustandes und damit am Weiterleben haben. Dies spiegelt sich auch in ihrem Überlebensinstinkt und bei mehreren Spezies ist nachgewiesen, dass sie gezielt und nicht lediglich einem instinktiven Trieb folgend für die Zukunft planen.
    Dagegen gibt es Menschen, die definitiv kein Zukunftsbewusstsein und keine Wünsche für die Zukunft haben. Dazu gehören unter den menschlichen Grenzfällen z.B. Menschen, die an transienter globaler Amnesie leiden. Ihre Behaltensspanne neuer Informationen ist auf maximal zweieinhalb Minuten beschränkt, danach haben sie das zuvor Gedachte und damit auch für die Zukunft gemachte Wünsche oder Pläne wieder vergessen. Dennoch haben an solchen Krankheiten leidende Menschen auch das Grundrecht auf Leben.

    Menschen haben mehr soziale Beziehungen als Tiere. Der Verlust eines Menschen wiegt daher schwerer als der eines Tieres, weil mehr Individuen davon negativ betroffen sind!

    An diesem Argument ist ebenso zweierlei fraglich:

    1. Soziale Beziehungen sind nicht automatisch etwas Positives. Wahrscheinlich müssen sehr viele Menschen auch mit anderen, ihnen unangenehm Menschen zusammenleben oder -arbeiten, weil sie sich nicht alle Beziehungen aussuchen können (das gilt u.a. für Nachbarn, Familienmitglieder oder Berufskollegen). Würde eine dieser unangenehmen Personen sterben, wäre der Verlust dieser sozialen Beziehungen nicht grundsätzlich negativ.
    2. Viele Spezies sind hochsozial, man denke an Herden-, Rudel- oder Schwarmspezies, aber auch an Spezies mit starken Familienbanden. Ihre Individuen wenden wesentlich mehr Zeit für soziale Kontakte auf und haben wesentlich mehr soziale Bindungen als viele Menschen. Dazu kommen wiederum die menschlichen Grenzfälle wie Menschen mit Autismus, die generell wenige Sozialkontakte haben können bzw. haben. Dennoch werden solchen Menschen keine Grundrechte verwehrt oder gegenüber stärker sozialen Personen benachteiligt.

    Nur Menschen kennen Moral, unter Tieren gibt es sie nicht. Daher müssen Tiere nicht moralisch berücksichtigt werden!

    Ethologen wie Frans de Waal betonten im Gegenteil, dass die Evolution der Ursprung der Moralität ist und es aufgrund der Kontinuität der Evolution unwahrscheinlich ist, dass es keine andere Spezies gibt, die zu moralischem Verhalten fähig ist. Beobachtungen bei Affen bestätigen diese These.

    Fazit:
    Es gibt viele Versuche, die Ungleichbehandlung von Menschen und anderen Tieren zu rechtfertigen. Logisch zwingend und plausibel ist letztlich keiner davon, denn wieso sollte eine bestimmte Eigenschaft oder Fähigkeit Grundlage der ethischen Berücksichtigung sein? Wieso hat ein Individuum kein Recht zu leben, weil es sich selbst nicht im Spiegel erkennen kann? Oder weil es keine komplexen Sätze bilden kann? Solcher Argumentation, die auch als “Intelligentismus” bezeichnet wird, fehlt die ethische Relevanz, wie ein Blick in unsere Gesellschaft zeigt. Wir sprechen Menschen ohne die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis, ohne Sprache, ohne Zukunftsbewusstsein, ohne Autonomie oder mit sehr niedriger Intelligenz nicht die für sie relevanten Grundrechte ab. Denn auch sie haben – wie alle anderen Menschen – ein Interesse an körperlicher und geistiger Unversehrtheit und an ihrem Leben. Und diese Grundinteressen haben auch nichtmenschliche Tiere und damit einen Anspruch auf gleiche Berücksichtigung.

    Quelle: www.tier-im-fokus.ch

  • Argumente contra Speziesismus - Teil 1

    Zitat der Woche :



    Auszüge aus einem sehr umfangreichen und grandiosen Artikel von Herrn Martin Petzold:

    "Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Speziesismus aus philosophischer Sicht"  


    Speziesismus ist eine Auffassung und Denkweise, die Mitglieder einer bestimmten biologischen Gattung (Spezies) gegenüber Wesen einer anderen Gattung moralisch privilegiert oder benachteiligt. Im engeren Sinne werden jene Positionen speziesistisch genannt, welche dem Menschen aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Spezies homo sapiens gegenüber anderen Lebewesen den Vorzug geben.

    Speziesismus ist eine Einstellung, die in unserer Gesellschaft seit langer Zeit besteht und im Denken fest verankert ist. Die Gegner des Speziesismus – die Antispeziesisten – sagen, er sei nicht gerechtfertigt. Weil das Gleichheitsprinzip – also gleiche Fälle gleich zu behandeln, oder kurz gesagt: fair zu sein – eine Grundlage der Ethik ist, gebe es keine Rechtfertigung, nichtmenschliche Tiere grundsätzlich anders zu behandeln, als wir in vergleichbaren Fällen Menschen behandeln würden. Der Umgang der Speziesisten mit Tieren sei diskriminierend: Er begründet die Ungleichbehandlung mit Argumenten, die nicht zutreffen und ethisch irrelevant sind.

    Um falschen Schlussfolgerungen zuvor zu kommen, sei erwähnt, was Antispeziesisten unter “gleiche Behandlung in vergleichbaren Fällen” meinen, woraus sie ihre Forderung nach Tierrechten ableiten. Sie meinen damit keine Gleichmacherei. Weder sollen Kühe ein Bildungsrecht, noch Schweine ein Recht auf Kunstfreiheit oder Hühner ein Wahlrecht erhalten. Das wären keine vergleichbaren Fälle, da Kühe kein Interesse an Bildung, Schweine keines an Kunst und Hühner keines an Politik haben.

    Um vergleichbare Fälle handelt es sich jedoch, wenn diese Tiere ausgenutzt und getötet werden, da sie ein Interesse an körperlicher Unversehrtheit und am Weiterleben haben. Die Forderungen nach Gleichberechtigung und Tierrechten beziehen sich auf diese Bereiche.

    Man kann dies am Beispiel der Menschenrechte veranschaulichen. Nicht alle Menschen haben genau die gleichen Rechte. Kleinkinder haben kein Wahlrecht und geistig schwer behinderte Menschen kein Recht auf höhere Bildung (bzw. können eine solche nicht erwerben). Trotzdem sprechen wir hier nicht von Ungleichbehandlung oder Diskriminierung, weil diese Menschen an diesen Bereichen keine Interessen haben bzw. haben können. Und doch haben alle, auch diese Menschen, die gleichen Grundrechte. Man darf sie nicht ausnutzen, ihnen keinen Schaden zufügen oder sie töten. Sie haben das Grundrecht auf körperliche und geistige Unversehrtheit und das Grundrecht auf Leben.

    Speziesisten sind aber dennoch der Ansicht, diese Gleichberechtigung von nichtmenschlichen Tieren und Menschen sei nicht gerechtfertigt und hierfür könnten allgemeine Gründe angeführt werden, wie z.Bsp. bestimmte Eigenschaften oder Fähigkeiten, die den Menschen einmalig machen würden. Weil nur der Mensch derartige Eigenschaften und Fähigkeiten besäße,  die Tiere jedoch nicht – so die Argumentation der Speziesisten – sei eine Ungleichbehandlung gerechtfertigt.

    Nachfolgend die gebräuchlichsten Speziesisten-Argumente in blauer Schriftfarbe und diesbezüglichen Gegenargumente in roter Schriftfarbe:

    Diese Ungleichbehandlung von Mensch und Tier hat eine lange Tradition und gilt daher als gesellschaftlich "normal", "natürlich", "notwendig" und "gerechtfertigt".
    Auch Menschensklaverei hat eine Jahrtausende alte Tradition, während die Verbote der Sklaverei (in der westlichen Welt) nur ca. zweihundert Jahre alt sind. Diese Verbote wurden ebenfalls zu einer Zeit erlassen, als Sklaverei gesellschaftlich weitgehend normal war. Tradition oder gesellschaftliche Normalität sind daher keine überzeugenden Rechtfertigungen.

    Tiere töten andere Tiere, das ist natürlich. Daher muss dies auch dem Menschen erlaubt sein!
    Genau genommen tun das nur die wenigsten, nämlich die fleischessenden Tiere. Den größeren Teil der Arten und Populationen stellen jedoch die Pflanzenesser. Mit welcher Begründung sollte man sich die einen und nicht die anderen zum Vorbild nehmen? Die eigentlichen Punkte, die gegen dieses Argument sprechen, sind jedoch die folgenden: Zum einen haben nichtmenschliche Tiere kaum eine Möglichkeit, ihre Nahrung zu wählen, Menschen hingegen haben die Wahl. Deshalb dürfen sie kritisiert werden, wenn sie die schlechtere von zwei Alternativen wählen, d.h. Tiere töten, obwohl dies nicht notwendig ist. Zum anderen müsste man konsequent sein, wenn man sich die Natur als Vorbild für die menschliche Ethik aussucht. In der Natur ist auch die Tötung von Neugeborenen durch Angehörige der gleichen Art verbreitet, meist in Verbindung mit Kannibalismus. Falls man das Töten von Tieren durch andere Tiere als Begründung nimmt, müsste auch dieses Verhalten gesellschaftlich erlaubt sein. Diese Konsequenz zieht jedoch niemand.

    In der Natur gilt das Recht des Stärkeren!
    Diese Begründung ist einerseits falsch, da viele Tierarten ebenfalls altruistisches Verhalten kennen wie etwa die Versorgung von altersschwachen Tieren oder die Adoption von Waisen. Andererseits akzeptieren wir dieses Argument aus guten Gründen auch nicht in Bezug auf Menschen. Auch “schwache”, schutzlose Menschen wie Behinderte haben (inzwischen) die gleichen Grundrechte wie alle anderen. Wenn wir dieses Argument in Bezug auf Menschen nicht akzeptieren, gibt es auch keinen Grund, es in Bezug auf andere Tiere zu tun.

     
    Ohne Tiernutzung in der Vergangenheit hätten wir nicht die Gesellschaft, wie wir sie heute kennen. Die Ungleichbehandlung von Mensch und Tier war also notwendig und ist deshalb gerechtfertigt!
    Die Gesellschaft, insbesondere der westliche Lebensstandard, würde ohne die Menschensklaverei ebenfalls nicht existieren. Sie verhalf den antiken Hochkulturen zur Blüte, auf deren Errungenschaften wir bis heute zurückgreifen, und sie war ein Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung in der Neuzeit, die zur Industrialisierung führte. Da dieses Argument heutzutage nicht mehr akzeptiert wird, um Menschensklaverei zu legitimieren, ist es auch nicht geeignet, um die Versklavung anderer Tieren zu rechtfertigen.

       
    Ohne Ungleichbehandlung von Mensch und Tier könnten wir keine Tierprodukte konsumieren und auch keine Medikamente entwickeln, sie ist also unerlässlich und daher gerechtfertigt!
    Das Konsumieren von Tierprodukten ist nicht notwendig. Eine ausgewogene vegane Ernährung ist empirisch und wissenschaftlich nachweislich für jedes Lebensalter und für jede Beanspruchung (inklusive Hochleistungssport) geeignet. Auch Tierversuche sind zur Entwicklung und Produktion von Medikamenten nicht notwendig. Es gibt viele Alternativ-Verfahren, deren Potenziale bisher nicht ausgeschöpft wurden. Dagegen sind Tierversuche oftmals hinderlich, weil sie falsche, fehlerhafte und nicht verwertbare Ergebnisse liefern. Auch jene Tierversuche, die als nützlich gelten könnten, lassen sich hiermit nicht rechtfertigen. Schließlich wären auch (vergleichbare) Versuche an Menschen zur Entwicklung von Medikamenten nützlich und sinnvoll, dennoch sind Experimente an Menschen (früher meist Behinderte, Waisen, Häftlinge oder Minderheiten) inzwischen aus ethischen Gründen verboten.

    Wenn Menschen in einem Konfliktfall die Wahl treffen müssten, einen Menschen oder ein Tier zu retten, würden sie sich immer für den Menschen entscheiden. Daher darf man Menschen grundsätzlich anders behandeln als Tiere!
    Wie Gary L. Francione anmerkt, ist es fraglich, ob Menschen immer so handeln würden. Falls der Mensch ein Verbrecher oder auch einfach ein Fremder ist, das nichtmenschliche Tier dagegen das sogenannte Haustier des Betroffenen, würden die meisten eher das nichtmenschliche Tier retten. Der eigentliche Punkt, der gegen dieses Argument spricht, ist jedoch, dass man von Konfliktsituationen nicht verallgemeinern kann. Das zeigt sich auch dann, wenn die Entscheidung zwischen zwei Menschen getroffen werden müsste. Alle Menschen würden bei der Wahl zwischen z.B. dem eigenen und einem fremden Kind das eigene wählen. Daraus folgt jedoch nicht, dass man fremde Kinder in Nicht-Konfliktsituationen generell anders behandeln darf.
    Dementsprechend folgt aus dem Umstand, dass man in einer Konfliktsituation eher einen Menschen als ein nichtmenschliches Tier retten würde, keineswegs, dass es generell erlaubt ist, nichtmenschliche Tiere auszubeuten, denn die Tierausbeutung ist kein Konfliktfall, da sie vermeidbar ist.

    Fortsetzung folgt .....
  • „Becerradas“ - ein grausames und blutiges „Fest“ in Spanien

    Ende Juli wurden in El Escorial im Nordwesten Spaniens erneut maximal 2 Jahre alte Kälbchen, oft sogar noch jünger, von betrunkenen Jugendlichen abgeschlachtet. Dieses traditionelle Fest heißt „Becerradas“ und gehört zu den grausamsten und blutigsten „Festen“ in Spanien. Es sind Kuhkinder, die in einem Akt der Unmenschlichkeit und Qual zur Unterhaltung der Schaulustigen getötet werden. Jeder aus der Stadt kann teilnehmen und in die Arena springen. Sie dürfen spitze Gegenstände benutzen und Schläge und Tritte verteilen bis das Tier verblutet. Kinder aller Altersstufen sitzen in den Rängen und schauen dabei zu.

    Die Kälber zittern vor Angst, werden mit den sog. „Banderillas“ (einer Mischung aus Harpune und Pfeil) malträtiert bis sie gestresst, schmerzvoll und blutend zu Grunde gehen. Die grölende und alkoholisierte Menge verlängert das Leiden mit jedem Schuss, der „nur“ verletzend wirkt. Jedoch bereits schon vor dem finalen Stich sind die Lungen der Kälber mit Blut gefüllt und das Atmen ist nur noch ein gurgelnder Krampf.

    Seit ihrer Geburt gab es für sie nichts, wofür es sich zu leben gelohnt hätte. Seit ihrer Geburt wurden sie traumatisiert, getrennt von ihren Müttern und zum „Kampf“ bei den „Becerradas“ verdammt. Der schlimmste Feind und eine der schlimmsten Bestien steht ihnen bei derartigen "Festen" gegenüber – der Mensch.

    In einem veterinärmedizinischen Bericht heißt es: „Die Festlichkeiten gipfeln an dem Punkt, wo die Teilnehmer eine „Puntilla“ benutzen. Das ist ein Messer mit einer 10cm langen Klinge. Beim Stoß durch die Kopfhaut in einem bestimmten Winkel, wird die Medulla oblongata des Hirnstammes verletzt. Diese reguliert den Herzschlag und die Atemfrequenz; somit kommt beides zum Erliegen. Wird die Medulla jedoch nicht genau getroffen, bleibt das Kalb am Leben. Es nimmt bewusst wahr, wie ihm seine Ohren abgeschnitten werden und wie es hinter einem Pferd über den Platz geschleift wird. Solange bis es tot ist. Es gibt zahlreiche Videos im Internet, die diese Grausamkeit belegen.“

    Kinder werden zu Zeugen und ihnen wird gezeigt, dass es 'normal' sei, Tiere zu quälen. Die psychologischen Konsequenzen sind unvorhersehbar. Schlimmer noch, Kinder lernen auf diese Weise, keinen Respekt und Wertschätzung vor der Natur und all ihren Geschöpfen zu haben.

    Quelle: www.pro-vegan.info

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