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  • Das Schicksal überzähliger Kälber in der Milcherzeugung

    Dass Millionen männlicher Eintagsküken als „Überschuss der Legehennen-Produktion“ getötet werden, ist allgemein bekannt. Dass es ein ähnliches Problem in der Milchviehhaltung gibt, ist weniger bekannt, bedarf aber ebenso dringend einer Lösung.

    Aktuell leben in deutschen Ställen 4,3 Millionen Milchkühe, die zusammen 31 Millionen Tonnen Milch pro Jahr „produzieren“. Damit liegt Deutschland EU-weit auf Platz 1 in der Milchproduktion. Eine deutsche Hochleistungskuh kommt auf eine tägliche Milchmenge von 40 und mehr Litern. Rund eine Millionen Kühe werden noch immer in Anbindehaltung gehalten, die übrigen in immer größeren Herden in sogenannten Boxen-Laufställen. Laufhöfe oder Weidegang bleiben vielen Kühen verwehrt. In Norddeutschland kamen 2010 rund 75 Prozent der Kühe auf die Weide, in Ostdeutschland 19 Prozent und in Bayern nur 16 Prozent.

    Um eine durchgehend hohe Milchmenge zu produzieren, stehen die Tiere unter enormer körperlicher Belastung. Trotz hoher Kraftfuttergaben „verhungern die Kühe beinahe am vollen Trog“, da ein großer Teil der Nahrung für die Milchbildung verbraucht wird. Der stetige Milchfluss ist nur gewährleistet, wenn die Kühe jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Die Kühe werden üblicherweise künstlich besamt. Dafür stellen Hochglanzprospekte Vererber (Bullen) mit unterschiedlichen Eigenschaften zur Wahl, zum Beispiel „Robot Ready“ (besonders geeignet für Melkroboter) oder „Polled“ (genetische Hornlosigkeit). Bereits nach zwei bis drei Geburten und Laktationen ist eine Kuh mit vier bis maximal sechs Jahren, körperlich verbraucht und muss ihre letzte Fahrt zum Schlachthof antreten. Bis zu zehn Prozent der Kühe sind zum Zeitpunkt der Schlachtung tragend, und nach dem Tod der Mutter erstickt das ungeborene Kalb qualvoll. Bislang wird dieser tragische Umstand weder in Gesetz noch in der Praxis berücksichtigt.

    Alljährlich kommen in Deutschland über vier Millionen Milchkälber zur Welt. Erschreckend ist die hohe Verlustrate (inklusive Totgeburten) von 10 bis 20 Prozent. Gleich nach der Geburt werden die meisten Kälber von ihren Müttern getrennt. Ein Teil der weiblichen Kälber geht in die Nachzucht. Nach durchschnittlich 29 Monaten bekommen sie ihr erstes Kalb und werden dann als Ersatz für ausgemusterte ältere Tiere eingesetzt. Doch was passiert mit den restlichen Kälbern, die nicht zur Nachzucht gebraucht werden?

    Die Zuchtauswahl bei Milchviehrassen - in Deutschland vor allem die „Holstein Friesian“ - konzentriert sich sehr auf hohe Milchleistung. Deshalb sind die weiblichen und männlichen Kälber dieser Rasse fast wertlos für die Mast. Zu gering ist die Fleischausbeute, zu kostspielig eine längere Mast. Dennoch mästen viele Milchbauern ihre eigenen Bullenkälber selbst, sofern sie Platz dafür haben.

    Die meisten anderen dieser Kälber werden im frühen Alter von zwei bis vier Wochen zur Mast verkauft. Sind sie gesund und gut entwickelt, erbringen sie einen Erlös von 60 bis 80 Euro. Kleine Kälber (weiblich oder Zwilling) nimmt der Viehhändler oft nur aus Gefälligkeit ohne Bezahlung mit. Auf zuvor erkrankten Kälbern oder solchen mit schlechtem Entwicklungszustand bleibt der Milchbauer in der Regel sitzen. Aber die Gesundheitsfürsorge für die Kälber rechnet sich für Milchbauern nicht. Deswegen ist es in einigen europäischen Ländern üblich, Bullenkälber als „Überschuss“ direkt nach der Geburt zu töten. Das ist in Deutschland verboten.

    Kälber, die im Alter von zwei bis vier Wochen an Mastbetriebe verkauft werden, gelangen dorthin auf Sammeltransporten, auf denen Kälber aus unterschiedlichen Betrieben zusammenkommen und einer großen Zahl von Keimbelastungen und Erkrankungen ausgesetzt sind. Das Immunsystem der Kälber ist aber erst ab einem Alter von drei bis vier Monaten voll entwickelt. Deshalb fangen sich die Kälber auf dem Transport leicht Atemwegs- und Durchfallerkrankungen ein und werden auf den Empfangsbetrieben in großem Umfang mit Antibiotika behandelt. Eine landesweite Datenerhebung des niedersächsischen Agrarministeriums zum Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung zeigte 2011, dass in der deutschen Kälbermast in ausnahmslos allen betrachteten Betrieben Antibiotika eingesetzt wurden (zum Vergleich: bei der Hühnermast in 83 Prozent aller untersuchten Betriebe, Putenaufzucht und -mast 92 Prozent, Schweinemast 77 Prozent).

    Die meisten der deutschen Kälber von Milchviehrassen werden zur Mast jedoch ins Ausland verkauft, größtenteils in die Niederlande, viele auch nach Frankreich. 2012 waren es insgesamt fast eine halbe Million Kälber von höchstens 80 Kilogramm Gewicht. Die meisten Mastkälber werden im Alter von 22 Wochen und einem erwarteten Schlachtgewicht (nicht Lebendgewicht!) von 150 Kilogramm geschlachtet und als Kalbfleisch vermarktet. Europaweit stammen zwei Drittel des Kalbsfleisches von Milchviehrassen.

    In Deutschland wird die Kälberhaltung durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung geregelt. Spätestens ab der neunten Woche werden die Kälber in Gruppen auf Vollspaltenböden aus Bongossiholz oder Beton gehalten. Ein Ausleben des Spiel- und Bewegungstriebes auf diesen Böden, wenn sie durch Kot und Urin rutschig geworden sind, ist extrem eingeschränkt bis unmöglich. Das lernen die Kälber in kürzester Zeit und bewegen sich dann nur noch vorsichtig. Zwecks Kosteneinsparung ist es üblich, dass die Spaltenböden während der gesamten Mastdauer nicht gereinigt werden. Rinder suchen von Natur aus weiche Liegeflächen auf. Deshalb fordert die EU-Richtlinie über die Mindestanforderungen für den Schutz von Kälbern einen Liegebereich mit „ausreichend geeigneter Einstreu“. Dieser Aspekt der „bequemen Liegefläche“ wurde in deutsches Recht nicht übernommen. Ein höchst fraglicher Umstand. Trotz des Verbotes der Anbindehaltung für Kälber wird ein Teil von ihnen immer noch auf diese Weise gemästet.

    Auf Biobetrieben werden oft ebenfalls Hochleistungsmilchkühe gehalten. Auch sie bekommen jedes Jahr ein Kalb. Wussten Sie, dass viele von ihnen (größtenteils männlich, zum kleineren Teil weiblich) nicht auf dem Biotrieb gemästet werden, sondern an konventionelle Mäster verkauft werden? Konsumieren wir also Biomilch, müssen wir diese Tatsache in Kauf nehmen. Biokälber müssen laut EU-Ökoverordnung mit Vollmilch aufgezogen werden. Deswegen verkauft der Biolandwirt sie oft möglichst früh zur Mast, um die wertvolle Milch lieber zu vermarkten statt sie mit Verlust zu verfüttern. Nur in der konventionellen Haltung darf zur Kälberaufzucht Milchaustauscher eingesetzt werden. Dies macht die konventionelle gegenüber der Biomast rentabler.

    Das Tierschutzgesetz schreibt in Paragraf 2 vor, dass Tierhalter und Betreuer Tiere „angemessen zu pflegen“ haben. Diese Formulierung ist rechtlich schwammig, denn unbestimmt bleibt, was als „angemessen“ gelten soll. Deshalb kommen außer den Milchviehhaltern auch die Hoftierärzte oft in einen Konflikt: Darf der Pflegeaufwand aus ökonomischen Erwägungen beschränkt werden? Dürfen überlebensschwache oder kranke Kälber getötet werden, um sie vor Siechtum und Leiden zu bewahren?

    Kathrin Kofent

    Quelle: www.provieh.de

  • Veganismus ohne „erhobenen Zeigefinger“ und „fröhlich“ dargestellt?


    „Wenn Du nicht magst, dass Bilder gepostet werden,
    auf denen Gewalt gegen Tiere zu sehen ist,
    dann solltest Du die Gewalt gegen Tiere bekämpfen, aber nicht die Bilder.“
    Johnny Depp


    Veganismus ohne „erhobenen Zeigefinger“ und „fröhlich“ dargestellt?

    Kürzlich wurde Dr. Ernst Walter Henrich, der auf seiner Webseite www.provegan.info für einen ethisch motivierten Veganismus plädiert, von einem Magazin angefragt, ob er nicht einmal einen Text zum Veganismus schreiben könne, aber bitte ohne „erhobenen Zeigefinger“ und doch bitte „fröhlich“.

    Hier seine Antwort auf diese Anfrage :

    Sehr geehrte Frau P......,
    da bin ich sicherlich nicht der Richtige, denn ich bin für den „erhobenen Zeigefinger“ beim Veganismus! Denn was ethisch, gesundheitlich und ökologisch notwendig ist, erfordert den „erhobenen Zeigefinger“, sonst ist es der Sache nicht angemessen. Chronische Erkrankungen wie Krebs durch Tierqualprodukte, der Massenmord im Tierholocaust und die durch die Tierindustrie verursachte Klimakatastrophe können aus meiner Sicht kaum „fröhlich“ dargestellt werden, ohne in den beliebigen Lifestyle-Veganismus abzudriften.

    Ich gehöre nicht zu den Freunden des veganen Lifestyle-Veganismus, der die altruistischen Tierrechtler die Vorarbeit und damit die Knochenarbeit machen lässt, um dann den ethisch motivierten Veganismus in einen ethisch beliebigen Lifestyle-Veganismus zu transformieren und als Geschäft auszuschlachten. Die ethische Bedeutung des Veganismus wird von diesen Lifestyle-Veganern verwässert und verraten, indem zum Beispiel Leder getragen bzw. propagiert wird und Sprüche wie „Jeder müsse selbst entscheiden was er isst“ zum Besten gegeben werden, nur um beliebt zu sein und mehr Produkte bzw. Bücher verkaufen zu können.

    Wer den veganen Lifestyle-Propagandisten nacheifert und folgt, wird kaum beim Veganismus bleiben. Das zeigen auch Untersuchungen aus den USA, dass sehr viele Lifestyle-Veganer nachher wieder Tierqualprodukte konsumieren. Das ist auch letztlich nicht verwunderlich. Denn nur derjenige, der die ethischen sowie auch gesundheitlichen Grundlagen des Veganismus verstanden und internalisiert hat, wird auch vegan bleiben.

    Mit den besten Grüssen
    Ernst Walter Henrich

    Verrückte Welt, denn mangelnde Empathie und mangelnde Intelligenz
    sind die Hauptfeinde des Veganismus!


    Foto: www.provegan.info

    Zur Überschrift über obiges Foto "Verrückte Welt, denn mangelnde Empathie und mangelnde Intelligenz sind die Hauptfeinde des Veganismus!"  sagt uns Dr. Ernst Walter Henrich auch, warum das so ist: Weil gequälte Tiere, verhungernde Kinder und eine ruinierte Umwelt die meisten Leute nicht interessieren und die gesundheitlichen Vorteile einer veganen Ernährung von den meisten Leuten weder geglaubt noch verstanden werden.

    An anderer Stelle schreibt er :
    Erstaunlich wie unterschiedlich Menschen sind. Es gibt Menschen, die geben alles für Tiere, selbst wenn kaum mehr Hoffnung besteht. Andererseits gibt es aber auch viele Menschen, die den Tieren grösstmögliches Leid antun, indem sie die Tiere wie Dreck behandeln oder durch den Kauf von Tierqualprodukten dafür sorgen, dass sie wie Dreck behandelt und dann vernichtet werden.

  • TV-Hinweis: Das Jenke-Experiment: Massentierhaltung


    RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff will es am eigenen Leib verspüren und setzt sich einer für Schlachttiere geschaffenen Extremsituation aus: Sechs Stunden lang fährt er auf einem Viehtransporter mit - nicht im Führerhaus, sondern angeschnallt auf der Ladefläche zwischen 1800 Ferkeln. Er begleitet die vier Wochen alten Tiere auf ihrem Weg zu einem norddeutschen Massen-Mastbetrieb, um zu erleben, wie sie sich auf der Ladefläche verhalten.

    In einem Experiment veranschaulicht er zudem, wie ein genetisch verändertes Küken zu einem reinen Fleischlieferanten hochgezüchtet wird und wie das Turbohuhn auf einem Biohof im Vergleich mit freilaufenden Artgenossen abschneidet.

    Jenke von Wilmsdorff lässt sich von einer Veganerin bekochen (vegetarische Bratwurst, Chili sin carne) und testet im Kuhstall auf einem Laufband, wieviel Energieaufwand er aufbringen müsste, um im Vergleich zu einer Milchkuh einen Liter Milch zu produzieren. Das Jenke-Experiment 'Massentierhaltung' läuft am 2. März um 21.15 Uhr.

    Petition: Schluss mit Tiertransporten

    BITTE gib auch Du den Tieren Deine Stimme und leite diese PETITION bitte an andere Tierfreunde weiter. Danke! Bisher haben über16.000 Personen diese Petition unterstützt. Bitte hilf mit, dass Ziel von 20.000 Unterschriften zu erreichen!

    Milchkühe müssen jedes Jahr aufs Neue geschwängert werden, um ihren Milchfluss aufrechtzuerhalten. Die geborenen männlichen Milchkälber sind für die Industrie nicht rentabel und werden aus Österreich ins Ausland zur Mast transportiert. Eine Recherche von VgT Austria führte die Aktivisten bis nach Spanien! Die wenigen Wochen alten Kälber müssen eine Horrorfahrt von über 2500 km und 90 Stunden überstehen. Unentwegt schreien sie nach ihren Müttern, müssen pausenlos stehen und können weder trinken noch essen, da sie noch zu jung sind, um Wasser und feste Nahrung zu sich zu nehmen. Einige der Kälber überleben diese qualvollen Strapazen nicht und sterben bereits im Transporter.

    Vielen Dank für Deine Unterstützung!

    Petition E

  • Die Kämpfer gegen Rechts: Der Adelsstand einer aufgeklärten Gesellschaft ?

    Sehr lesenswerter Kommentar von Herrn Markus Günther zum FAZ-Artikel vom 12.Februar 2015. Siehe Blog-Eintrag: "Unglaublich: Proteste gegen Pegida und Co werden fürstlich entlohnt"

    Nichts tut so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen. Denn dann steht man garantiert auf der richtigen Seite. Doch hinter der eifrigen Lust, überall die braune Gefahr aufzuspüren, verbergen sich gefährliche Selbsttäuschungen.

    Von Markus Günther :

    Wolfgang Thierse ließ sich nicht lumpen. Er kam eigens aus Berlin angereist, um das selbstlose Engagement in dem unscheinbaren Örtchen Teterow im Landkreis Rostock zu würdigen. Er lobte die „klare Positionierung gegen Rassismus und Ausgrenzung“, und er versäumte es nicht, darauf hinzuweisen, dass Rechtsextremismus „gerade im ländlichen Raum eine ernstzunehmende Gefahr“ ist. Auch Sylvia Bretschneider, die Landtagspräsidentin, kam nach Teterow und sprach von einem „Ereignis, das seinesgleichen sucht“, und pries das „klare Zeichen gegen Ausgrenzung und menschenverachtendes Verhalten“. Dann konnte es endlich losgehen. Mit kompromissloser Entschlossenheit legte die Politikerin den Ball auf das Tee und eröffnete mit einem beherzten Abschlag das Turnier „Golf gegen Rechts“. Der deutsche Antifaschismus stößt in immer neue Dimensionen vor.

    Oft heißt es, Deutschland sei das Volk der Frührentner, der Schadenfrohen, der Besserwisser. Alles Unsinn. Es ist ein Volk von Antifaschisten oder vielleicht besser: der Gegen-Rechts-Aktivisten. Denn Rechts heißt das Zauber-, Schmäh- und Schlusswort schlechthin. Mehr muss man gar nicht sagen und auch nicht wissen. Rechts? Alles klar. Sattelt die Pferde!

    Über 200 Initiativen im Kampf „gegen Rechts“ verzeichnet die Bundeszentrale für politische Bildung schon heute, und seit es die AfD und Pegida gibt, werden es immer mehr. Warum, ist klar. Nichts tut so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen. Denn dann steht man garantiert auf der richtigen Seite. Wenn es stimmt, was Franz Werfel einst schrieb, dass nämlich neben dem Geschlechtstrieb kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr bestimmt wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit, dann ist leicht zu verstehen, warum der Kampf gegen Rechts solche Energien freisetzt: Er belohnt den Kämpfer mit einem maßlosen, ja mit dem denkbar größten moralischen Sieg überhaupt. Man stellt sich schließlich – irgendwie, im weitesten Sinne oder so – gegen Hitler und den Holocaust.

    Hinzu kommt, dass Antifaschismus noch nie so billig zu haben war wie heute. Früher konnte er das Leben kosten, heute kostet er nicht mehr als ein Lippenbekenntnis unter Gleichgesinnten – und schon gehört man dazu, zum erlesenen Kreis der Aufrichtigen, Anständigen, Tapferen. Die Kämpfer gegen Rechts bilden den Adelsstand der aufgeklärten Gesellschaft. Oder noch einen Schuss polemischer: Hier findet ein Ablasshandel statt; die moralische Überlegenheit kann man einfach erwerben, indem man dem Kampf gegen Rechts beitritt.

    Das Repertoire ist beträchtlich: Es gibt den Rock gegen Rechts und das Rappen gegen Rechts, natürlich singen und schreien gegen Rechts, aber auch Faschingskostüme gegen Rechts und Fußballspiele gegen Rechts. Die „Grüne Jugend“ in Hamburg lädt regelmäßig zum „Feiern gegen Rechts“, ein politisches Angebot, das übrigens von den jungen Leuten sehr gut angenommen wird, und die Kinder der Klasse 7b des Augustin-Wibbelt-Gymnasiums im westfälischen Warendorf tanzen sogar gegen Rechts – früh übt sich, was ein Antifaschist werden will. Schwer messbar ist dagegen der Erfolg der mutigen Kampagne der DGB-Jugend in Dortmund: „Kein Sex mit Nazis“. Und womöglich vermischen sich unterschiedliche Beweggründe bei der Berliner Initiative „Laut ficken gegen Rechts“.

    Zu den pfiffigsten und meistgepriesenen Initiativen gehört die von einem Regensburger Kneipenwirt gestartete Kampagne „Wir bedienen keine Nazis“. Die Idee bestand darin, dass jeder anständige (also: antifaschistische) Wirt über dem Tresen ein Schild aufhängen sollte, das klipp und klar signalisiert: Nazis sind hier nicht willkommen, hier saufen nur anständige Deutsche (und gegebenenfalls ihre ebenso anständigen ausländischen Mitbürger). Die Story wurde dermaßen hochgejubelt, dass sich bald Hunderte von bayerischen Wirten anschlossen und jeder, der sich weigerte, das alberne Schild aufzuhängen, dem Verdacht ausgesetzt war, er freue sich wohl auf Nazis an seinem Tresen.

    Kein Bier für Nazis? Geht’s noch? Woran erkennt man die denn, die Nazis, wenn sie eine Kneipe betreten? Soll ich vor der Bestellung meines Radlers eine Ehrenerklärung für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ablegen? Oder für Vielfalt und Willkommenskultur? Stehe ich in bayerischen Kneipen unter Nazi-Verdacht, weil ich mir mein klägliches Resthaar aus Verzweiflung kurz geschoren habe?

    Der ungeheure Erfolg der Initiative bestand natürlich nicht darin, dass alle Nazis in Bayern auf Kräutertee im heimischen Wohnzimmer umgestiegen wären. Sondern darin, dass die Initiatoren selbst mit Anerkennung überhäuft wurden und einen Menschenrechtspreis nach dem anderen abräumten. Auch katholisch.de, die offizielle Internetseite der katholischen Kirche, bejubelte „Keine Bedienung für Nazis“ als volkspädagogisch besonders wertvoll und stellte fest, es handele sich um einen „Exportschlager“ – denn bald wollten auch die Wirte in Schleswig-Holstein und Sachsen den Aufkleber, weil sich herumgesprochen hatte, dass man damit in die Lokalpresse kommt, und weil es jetzt alle machen und überhaupt. Die evangelische Kirche setzte gleich ein Zeichen gelebter Ökumene und verlieh den Wirten gegen Rechts den Martin-Luther-Preis. Die aberwitzige Pointe ist, dass die falschen Antifaschisten so mit einem Preis geehrt wurden, der nach einem echten Antisemiten benannt ist.

    Oder ist das sogar mehr als nur eine Pointe? Könnte es sein, dass hinter dem ganzen antifaschistischen Eifer noch etwas anderes steckt: die Sehnsucht nach Entsühnung? Sind wir nicht alle historisch exkulpiert, wenn wir nur in der Gegenwart anständige Antifaschisten sind?

    Sicher, hier stößt die schönste Polemik an ernstzunehmende Grenzen. Denn aus der historischen Schuld einen Auftrag für die Zukunft zu machen ist natürlich nicht falsch, sondern zwingend notwendig. „Nie wieder!“ und „Wehret den Anfängen!“ sind heute so richtig und wichtig wie eh und je. Doch die Frage ist: Was genau heißt das eigentlich? Was ist Antifaschismus? Wie lässt sich die historische Erfahrung eines Totalverlustes aller moralischen Maßstäbe auf die politische Gegenwart übertragen? Mit Rock gegen Rechts? Mit Sprüchen wie „Nazis raus“? Wohl kaum.

    Hinter dem antifaschistischen Eifer stecken gefährliche Selbsttäuschungen. Lupenrein und lehrbuchhaft zeigt sich hier der Dreiklang neurotischer Störungen: Verdrängung, Abspaltung, Übertragung. Denn das ist ja das einzig greifbare Ergebnis des ständig medial angefeuerten Antifaschismus: Schuld und Verantwortung liegen bei den anderen, man kann sie weit von sich schieben und sich einbilden, man habe mit alldem nichts zu tun. Kein Wunder, dass kleine Kinder, wenn sie das erste Mal von „Nazis“ hören, an Tiere oder Außerirdische, mindestens aber an Ausländer denken. Im Geschichtsbewusstsein der Heutigen klingt es ja auch immer gleich so, als seien diese schlimmen Nazis eines Tages von außen über Deutschland hereingebrochen wie eine Heuschreckenplage. Verhallt ist dagegen die eindringliche Mahnung Klaus von Dohnanyis, Sohn des 1945 hingerichteten Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi, über Hitler wie über ein Mitglied der eigenen Familie zu denken und nicht wie über ein Monster: „Hitler war eine Katastrophe, aber keine Naturkatastrophe.“ Er müsse, wohl oder übel, „unser Hitler“ bleiben. Noch radikaler war nur Max Picard, der schon 1946 die – leider längst in Vergessenheit geratene – Frage nach „Hitler in uns selbst“ stellte. Da wird es dann ungemütlich.

    Es ist viel leichter, „Nazis raus“ zu brüllen, als der Frage auf den Grund zu gehen, wie widerstandsfähig das eigene Gewissen heute ist und ob es nicht schon in den kleinsten Herausforderungen des Alltags, zumal im Unternehmen, am Arbeitsplatz, unter dem Erwartungsdruck einer sozialen Gruppe oder eines Vorgesetzten, allzu oft den Weg in den kommoden Selbstbetrug weist. Selbst die ganz naheliegende Frage, was Vater oder Großvater damals eigentlich genau gemacht haben, ist in den meisten Familien bis heute unbeantwortet. Makrohistorisch ist das „Dritte Reich“ gründlich untersucht worden; im Mikrokosmos der eigenen Familie dominieren bis heute Vergessen, Verdrängen, Verleugnen. Könnte der antifaschistische Eifer der Nachgeborenen auch damit zu tun haben?

    Doch es gibt noch ein anderes Problem: Der Kampf gegen Rechts braucht immer neue Nahrung. Er muss immer neue Objekte finden, die sich für Ableitung und Übertragung eignen – oder eben passend gemacht werden. Da es aber echte Nazis, Rechtsextremisten, Antisemiten und Rassisten nicht in ausreichender Zahl gibt, geraten auch Akteure und Strömungen ins antifaschistische Visier, die sich nur schwer unter den Begriff Rechts bringen lassen. Da verwischen dann schnell mal die Unterschiede zwischen NPD und AfD, da steht der konservative Flügel der CSU unter Faschismusverdacht, und Thilo Sarrazin liegt auf der Linie von Jean-Marie Le Pen. Auf Details kommt es nicht an. Wo antifaschistisch gehobelt wird, fallen sehr grobe Späne.

    Stolz und frohgemut berichtete die Berliner „Antifa“ vor wenigen Monaten, dass sie eine Apotheke in Neukölln gründlich demoliert habe. Der Besitzer hatte öffentlich mitgeteilt, aus Gewissensgründen keine „Pille danach“ abzugeben. Dem „Moralisten, Fundamentalisten und Faschisten“ hat es die Antifa dann mal richtig gezeigt. Auch dem „Bundesverband für Lebensrecht“ in Berlin haben die wackeren Antifaschisten in bester deutscher Tradition die Schaufenster zertrümmert und Parolen auf die Hauswand gesprüht. Abtreibungsgegner beim jährlichen „Marsch für das Leben“ werden immer wieder von Gegendemonstranten als Faschisten beschimpft. Jeder, der ein rohes Hühnerei in die Demo wirft, darf sich einmal fühlen wie Stauffenberg im Kampf gegen Hitler – doch der Vergleich hinkt: Stauffenberg war ja auch irgendwie Rechts, oder?

    Bei dem zwanghaften Versuch, immer und überall die braune Gefahr aufzuspüren (um sich dann in moralischer Empörung dagegen auflehnen zu können), kommt es immer wieder zu wüsten gedanklichen Verirrungen und haarsträubenden Fehlurteilen. Da ist dann schnell mal der Jude Benjamin Netanjahu ein Faschist, weil er die Palästinenser drangsaliert, aber auch Barack Obama ist einer, weil er mit Drohnen gegen Terroristen kämpft, die ihrerseits auch irgendwie Rechts sind, weil sie ja die Juden und die freie Welt hassen. Wladimir Putin ist sowieso Faschist, weil er die Krim annektiert und was gegen Schwule hat. George W. Bush, überhaupt die Republikaner in den Vereinigten Staaten, erst recht die Tea Party – der Begriff Faschismus hat sich unendlich ausgedehnt und dabei einen enormen Werteverfall erlebt.

    Mitunter nimmt der Wunsch, sich in die Pose des Kämpfers gegen Rechts zu werfen, geradezu pathologische Züge an wie im Fall des im Januar ermordeten Asylbewerbers Khaled Idris Bahray. Der zwanzig Jahre alte Mann aus Eritrea war in Dresden erstochen worden, und weil Dresden die Hauptstadt von Pegida ist, gingen 3000 Menschen ohne jede Kenntnis über Tat und Täter auf die Straße, um „Pegidas erstes Todesopfer“ zu beklagen. Volker Beck von den Grünen erstattete sogar unverzüglich Strafanzeige gegen die Kripo, die er mit den rassistischen Mördern irgendwie im geheimen Bunde wähnte. Auch hielt Beck es für denkbar, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass die Polizisten die Spuren der rassistischen Tat verwischt hätten.

    Als dann ein Landsmann des Mannes den Mord gestand, ließen sich die Demonstranten davon kaum aus dem Tritt bringen und behaupteten trotzig: „Rassismus tötet!“ Vielleicht nicht direkt, aber indirekt, denn schließlich führten die schlechten „Unterkünfte für Asylbewerber, die rassistischen Polizeikontrollen und das fehlende Freizeitangebot“ – so die „Alternative Dresden“ in einer Erklärung – zur Traumatisierung der Bewohner und dann, im Einzelfall, logischerweise auch zu Gewalttaten unter Asylbewerbern. So ist die antifaschistische Welt am Ende doch wieder in Ordnung – und der Kampf gegen Rechts, so stellt man selbstzufrieden fest, ist auch hier wieder ein mutiges und notwendiges Zeichen gewesen, ja ein unmissverständliches Signal, dass man den Rechten nicht weichen wird.

    Bleibt zum Schluss nur noch nachzutragen, wie das Turnier „Golf gegen Rechts“ ausging. 4100 Euro kamen an Startgeldern und Spenden zusammen und konnten dem FC Rostock für Trainingsprogramme zur Verfügung gestellt werden, in denen bevorzugt Kinder aus Asylbewerberheimen Fußball lernen sollen. Golf als Zweitsport kann ja später noch hinzukommen. Und das jährliche Turnier „Golf gegen Rechts“ hat sich um den „New Golf Award 2015“ beworben. Ausgezeichnet werden dabei die innovativsten Ideen für ein neues Golf-Turnier.

    Kein Happy End war dagegen den Regensburger Wirten im Kampf gegen Nazis am Tresen vergönnt. Über die Frage, wem von ihnen die Preisgelder aus den zahlreichen Zivilcourage-und Menschenrechtspreisen zustehen, gerieten sie in Streit und prozessierten gegeneinander vor Gericht.

    Markus Günther

  • Das ist Nummer 53

    „Es schmerzt mich, dass es nie zu einer Erhebung der Tiere gegen uns kommen wird,
    der geduldigen Tiere, der Kühe, der Schafe, allen Viehs,
    das in unsere Hand gegeben ist und ihr nicht entgehen kann.
    Ich stelle mir vor, wie eine Rebellion in einem Schlachthaus ausbricht
    und von da sich über eine ganze Stadt ergießt...
    Ich wäre schon erleichtert über einen Stier, der diese Helden, die Stierkämpfer,
    jämmerlich in die Flucht schlägt und eine ganze blutgierige Arena dazu.
    Aber ein Ausbruch der mindern, sanften Opfer, der Schafe, der Kühe wäre mir lieber.
    Ich mag nicht wahrhaben, dass sie nie geschehen kann;
    dass wir vor ihnen, gerade ihnen allein, nie zittern werden.“

    Elias Canetti (1905-1994), Nobelpreisträger für Literatur 1981

    Von Animals Liberty :

    Das ist Nummer 53
    Einen anderen Namen braucht er auch nicht – denn keiner der Mitarbeiter im Versuchslabor kümmert sich um ihn.

    Noch nie hat er mit Artgenossen gespielt, Freilauf erlebt oder die aufrichtige Liebe eines Menschen gespürt. "Nummer 53" ist nur ein Hund von vielen in der großen Versuchsanlage, in der die Tiere leben müssen.

    Wenige Tage nach der Aufnahme dieses Fotos wird er qualvoll sterben – einsam. In seinem kargen Metallkäfig. Und niemanden im Labor wird es kümmern – da "Nummer 53" ja seinen "Dienst" geleistet hat: Auswirkungen der Tiernahrung auf den Darm wurden getestet.


    Auch wird er nicht begraben werden – sondern die Mitarbeiter werden seinen gequälten Körper auf einen Haufen ausgedienter Kadaver werfen, um diese dann anschließend zu verbrennen. Während die nächsten Welpen schon in Zwingern auf das gleiche Schicksal warten.
     
    Was die meisten Verbraucher nicht wissen, ist, dass die Tierfuttermittelindustrie eine Erweiterung der menschlichen Lebensmittelindustrie ist. Tierfutter bietet sich auf sehr zweckmäßige Weise an, um Schlachterei-Abfälle, Getreide welches als “ungeeignet für den menschlichen Konsum” gilt, und ähnliche Abfallprodukte, gewinnbringend umzuwandeln. Bei diesen Abfallprodukten handelt es sich um Eingeweide, Euter, Köpfe, Hufe, und möglicherweise erkrankte und krebsbefallene Teile von Tierkörpern. Und oftmals werden auch giftige Chemikalien als „Lockstoffe“ eingesetzt, so dass unsere Haustiere von dem Futter regelrecht süchtig werden und anderes Futter verweigern. Eine perfekte Marketingstrategie.

    Doch wie kann gewährleistet werden, dass es den Tierhaltern nicht auffällt, wie schädlich die (oft sogar teure) Tiernahrung für ihren geliebten Vierbeiner ist? Das Zauberwort lautet: Tierversuche!

    Doch trotz aller „Sorgfalt“, die Schadstoffe so gut wie nur möglich zu vertuschen, kommt es dennoch des Öfteren zu Problemen. Und dann arbeiten die Tiernahrungshersteller gewöhnlich mit dem FDA (Federal Drug Administration = Zentrum für Medizinprodukte und Strahlenschutz) zusammen, um einen Rückruf der betroffenen Produkte zu koordinieren. Während viele Rückrufe weitgehend veröffentlicht werden, werden mindestens genauso viele unter den Teppich gekehrt. Will man doch das gute Bild der Tiernahrungsindustrie nicht schädigen.

    Wie können wir diesen Wahnsinn stoppen?
    Indem wir Aufklärung betreiben. Erzählt anderen Tierhaltern davon – und bittet diese, den Boykott all jener Marken, die für ihre Tiernahrung Tierversuche durchführen, zu unterstützen. Welche das sind, seht ihr  hier in dieser Datenbank :

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