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  • Schlachten in der Fleischwirtschaft (Teil 1)

    Diesen Zeit-Artikel über die Bedingungen, unter denen Menschen in Schlachthöfen arbeiten müssen, solltest Du unbedingt lesen, um Deine Kenntnisse über die Fleischindustrie auszuweiten:

    In einer idyllischen Gegend in Niedersachsen wird im Sekundentakt geschlachtet, immer schneller, immer billiger, immer schmutziger. Erledigt wird das Gemetzel von einer Geisterarmee aus Osteuropa.

    Von Anne Kunze :

    Such dir eine Mulde im Boden, über die der Wind hinwegweht und dich nicht erreicht.
    Such dir einen Ort, an dem viele Bäume eng nebeneinanderstehen,
    sodass kein Mensch hindurchschauen kann.
    Stülpe Plastiksäcke über deine Hosenbeine.
    Zieh alles an, was du hast.
    Hab keine Angst vor der Dunkelheit.
    Hab keine Angst vor Tieren.

    Das sind Emilians Regeln. Man müsse sie befolgen, sagt er, sonst könne man im niedersächsischen Wald nicht überleben. So redet Emilian, ein Arbeiter aus Rumänien, mit Fremden, die nichts wissen über diese Gegend in Niedersachsen, wo die Orte Vechta heißen, Ahlhorn, Cloppenburg oder Quakenbrück. Schau dir die harmlos wirkenden Dörfer an, sagt Emilian, die roten Klinkerhäuser, das herausgeputzte Fachwerk. Ich zeige dir die Straßen, sagt er, auf denen ich nachts mit dem Rad hin- und herfahre, immer nur hin und her, damit ich nicht friere. Bis morgens um halb fünf mache ich das so, sagt Emilian, dann muss ich in den Schlachthof: Puten die Brust aufschneiden, Fett herausholen. In dieser Gegend, wo die Orte Oldenburg heißen, Garrel, Essen, Visbek oder Badbergen, haben Männer wie Emilian einen Namen. Waldmenschen. Sie schlafen in Mulden unter Bäumen, ohne Dächer und ohne Schutz, sie decken sich mit Blättern zu. Sie liegen da zusammengekauert wie wilde Tiere.

    "Wir haben es hier mit einer Schattenwelt zu tun, bei der die meisten wegsehen. Eine Geisterarmee haben wir erschaffen." So spricht ein Geistlicher über Menschen wie Emilian. Und er predigt es immer wieder, Peter Kossen, der Prälat der Kleinstadt Vechta.

    Der Prälat weiß, dass einige der Söldner im Wald leben, weil für sie keine Wohnung da ist. Männer wie Emilian erkenne man an blauen Plastikkörben, die im Wald neben den Schlafmulden liegen und die alle Söldner tragen müssen, wenn sie morgens in einen der Schlachtbetriebe ziehen, die wie Gefängnisse gesichert sind, mit Kameras, Wächtern und Zäunen aus Stahl.

    Die Gegend zwischen Oldenburg in Niedersachsen und Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen ist Deutschlands größte Schlachtanlage. Hier werden jedes Jahr 3,5 Millionen Tonnen Schweine-, 900.000 Tonnen Geflügel- und 400.000 Tonnen Rindfleisch produziert. Schlachten, das bedeutet: Hals aufschneiden, aufhängen, Rektum aufbohren, enthäuten, aufschneiden, zerteilen, verpacken.

    Wir wollen immer mehr Fleisch essen, und wir wollen es immer billiger haben. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen führt das zu einem System aus Hochtechnologie und Menschenhandel. Alle machen mit, Firmen wie: Wiesenhof, Tönnies, Heidemark. Die Gegend ist auch eine Brutstätte für multiresistente Keime, gegen die manchmal keine Antibiotika mehr wirken. Es ist ein System, das krank machen kann.

    Wie die meisten Söldner der Geisterarmee wurde Emilian vom Subunternehmer eines Schlachthofs angeworben – in Rumänien. Er hatte beim rumänischen Militär gelernt, wie man in der Natur überlebt, und er musste für den Job in Deutschland ein paar Hundert Euro Vermittlungsgebühr bezahlen. Er wurde nach Ahlhorn, Niedersachsen, gefahren. Untergebracht wurde er in einer Massenunterkunft, vier Männer in einem Zimmer, Stockbetten. Er arbeitete bei Heidemark, einem der größten deutschen Produzenten von Hähnchen- und Putenfleisch. Das Unternehmen sagt, es wisse nichts von den Waldmenschen. Aber Emilian hatte Ärger mit seinem Vorarbeiter. Weil der Subunternehmer oft auch Wohnraum an die Söldner vermietet, kann Ärger mit dem Vorarbeiter heißen: kein Schlafplatz im Warmen mehr, sondern eine Unterkunft im Wald. In der Nähe der Autobahn 1, zwischen Cloppenburg und Wildeshausen, hat sich Emilian ein Zuhause aus Decken und Plastiksäcken gebaut.

    Nachmittags schläft Emilian, traumlos und tief, bis die Kälte der hereinbrechenden Nacht ihn weckt. Er schreibt düstere Gedichte und postet sie auf Facebook: "Du weißt, dass der Schnee sich drehen wird, er ist eine Blutschaufel zwischen zwei Paradiesen, sagt ein Wurm dem anderen, der in der Mitte liegt."

    Aus seinen Kopfhörern tönt Joy Divison, dunkler, analytischer Post-Punk. In Rumänien hat er Elektromechanik studiert. Emilian ist 34, hat keine Frau, keine Kinder. Fragt man ihn nach seiner Zukunft, fällt ihm nichts ein.

    Nicht weit entfernt von Emilians Schlafplatz, in einem Betrieb der Firma Wiesenhof, säbelt Joana den ganzen Tag Hähnchen. Das Geschenk der Liebe sind Handschuhe aus Eisen. 15 Euro. Teuer. Darian hat sie Joana geschenkt, damit sie sich ihre Hände, die er so mag, beim Schneiden nicht verletzt.

    "Du musst kommen, hier ist ein Mädchen, das wird dir gefallen." Das sagten Freunde, die Darian eines Abends anriefen. Als Darian die Disco in Lohne betritt, weiß er sofort, wen seine Freunde meinten: Schmal ist sie, trägt schwarze Leggins und hat die Haare pink gefärbt. Sie heißt Joana. Sie tanzt, ihr Bruder legt auf, rumänischen Pop, und Darian schaut ihr die ganze Zeit zu.

    Sie sieht, erzählt Joana, wie Darian sich nähert, jede Geste, jedes Zucken im Mundwinkel die Andeutung einer größeren Geste. Sie unterhalten sich, auf Rumänisch. Irgendwann sagt Darian: "Ich kann nur schlafen, wenn jemand mich in den Armen hält."

    Auf dem Weg zu ihr, sagt Darian, nimmt er zum ersten Mal ihre Hand. "Wir müssen noch kurz bei mir vorbei, auf den Dienstplan schauen", sagt er. Da steht, dass er erst am nächsten Tag arbeiten muss. Hand in Hand gehen sie zu Joana. Erste Küsse, zarte Berührungen. Um Mitternacht klingelt Darians Telefon. Sein Vorarbeiter brüllt so laut ins Telefon, dass sogar Joana ihn hören kann. "Wo bist du? Du musst sofort zur Arbeit kommen!"

    Darian steht in einer Schlachtanlage der Firma Steinemann an einem Band, das ihm tote Bullen vors Gesicht hängt, jede Minute einen weiteren. Darian schneidet ihm mit einem Küchenmesser die Brust auf und zieht ihm die Haut ab. Mit bloßen Händen. Die Einweghandschuhe, sagt er, seien sofort kaputtgegangen.

    Joana und Darian haben viele Narben, sie schneiden sich ständig, während sie tote Tiere zerlegen. Es ist wahrscheinlich, dass beide mit multiresistenten Keimen infiziert sind, die in der Tiermast so häufig zu finden sind, wegen des enormen Einsatzes von Antibiotika. Joana musste sich vor Kurzem eine Zyste aus der Gebärmutter entfernen lassen. Im Krankenhaus wurde sie gefragt, wo sie arbeite. Im Schlachthof, antwortete sie. Landwirte gelten in Kliniken als Risikogruppe und werden oft isoliert. Aber Joana wurde nicht in Quarantäne gebracht, wo man sie auf gefährliche Keime hätte untersuchen können.

    Mittlerweile haben Joana und Darian eine kleine Wohnung gefunden und eine gigantische rote Couch hineingestellt, die den gesamten Raum beherrscht. Sie putzen die Wohnung jeden Tag. Im Bad hat jeder von ihnen Dutzende Flakons verschiedener Parfums aufgereiht, eine Armada der Düfte. Das Geld dafür kratzen sie irgendwie zusammen, sagen sie. Es ist, als wollten sie den Geruch der toten Tiere vertreiben.

    Es gibt nichts als Gegend in Lohne, wo Joana und Darian leben, also gehen sie spazieren, wenn sie freihaben, besuchen Mutter und Schwester. Viele Mitglieder ihrer Familien sind da, auch sie stehen an den Schlachtbändern Niedersachsens.

    Joana ist eine zähe, kämpferische Frau. Der Vorarbeiter werde manchmal zudringlich, sagt sie. Sie widersetze sich, aber das gelinge nicht allen Frauen. Joana glaubt, dass sie deswegen neuerdings auch die schweren Kisten mit den Hähnchenkeulen schleppen muss. Wiesenhof, mit diesen Vorwürfen konfrontiert, kündigt an, den Vorarbeiter bis zur Klärung der Vorfälle sofort über die Leiharbeitsfirma freizustellen.

    Auch Joana weiß nicht, was werden soll. Zögerlich sagt sie: "Ich würde gern bei Aldi, Lidl oder Rewe arbeiten, an der Kasse, damit ich mehr mit Deutschen sprechen kann." Deutsch hat sie sich aus Büchern selbst beigebracht. Darian kann nur wenige Wörter auf Deutsch: "schneller, schneller!", "weiter, weiter!", "Gas!", "Polizei!".

    Zu Weihnachten sind Darian und Joana im vergangenen Jahr nach Paris gefahren. Er habe sie angerufen, sagt Joana. "Willst du mit nach Paris? Ich lade dich ein." - "Warum?" – "Weil ich dich liebe." - "Was?" - Da musste er es noch mal sagen: "Weil ich dich liebe." Sie sind nur einen Tag lang geblieben. Ein Hotel konnten sie sich nicht leisten. Sie machten ein paar Fotos und posteten sie auf Facebook. Aber als Darian am Tag nach der Rückkehr im Schlachthof erschien, zog ihn sein Vorarbeiter von der Maschine weg und sagte ihm, dass er gekündigt sei. "Wir brauchen dich nicht mehr. Geh. Dein Onkel und dein Cousin auch." So schildert es Darian. Söldner der Geisterarmee dürfen nicht nach Paris fahren, sich nicht der Kontrolle der Vorarbeiter entziehen.

    Nicht weit von ihrer Wohnung entfernt, in Essen, zeigt Darian eine Hauptstraße mit Läden, an denen Schilder mit den Worten "Medizinische Fußpflege", "Konditorei" oder "Immobilien" hängen. Die Schaufenster aber sind verhängt mit Pappe und Decken, weil es schon lange keine Läden mehr sind. Überall stehen solche Häuser, ehemalige Gaststätten und Hotels, Gartenhäuser und Ställe, manchmal mitten im Nirgendwo. In solchen Häusern hat Darian gewohnt. Mit fünf Männern in einem Zimmer, die Toilette mitten im Raum. Park rückwärts, sagt er, damit du schnell wieder wegkommst.

    Darians erste Unterkunft lag mitten auf dem Schlachthofgelände der Firma Steinemann in Steinfeld. Darian wohnte in einem umgebauten Stall. Abends wurden die Rinder in den Stall nebenan getrieben, die am nächsten Morgen geschlachtet werden sollten. Seite an Seite übernachtete Darian neben ihnen, wie seine Kollegen. 200 Euro hat er für sein Bett im Monat bezahlt. Das Geld wurde ihm vom Lohn abgezogen. Sein Gehalt hat er jeden Monat bar auf die Hand bekommen. Wie viel es war, wusste er im Voraus nie, mal 500, mal 600 Euro. Wichtige Papiere wurden oft verbrannt.

    Er wusste nicht, wann er anfangen musste zu arbeiten. Er musste immer auf die Liste in seinem Wohn-Stall schauen, wie in jener Nacht, als er Joana kennenlernte.

    Fragt man Darian, wie viel er gearbeitet hat, schaut er so überrascht, als sei er zum ersten Mal danach gefragt worden. "Bis das Band nicht mehr läuft." Er wusste nur: Wenn er um Mitternacht beginnt, konnte es sein, dass er erst um 15.30 Uhr am nächsten Tag gehen durfte.

    "Einmal kam der Kontrolleur von der Behörde", sagt Darian. In Deutschland sei alles geregelt. In Niedersachsen ist festgelegt, dass jeder Bewohner einer Unterkunft sechs Quadratmeter braucht und es nicht mehr als acht Bewohner pro Zimmer geben darf. Darian war einer zu viel in dem engen Zimmer. Darians Vorarbeiter sagte ihm vor einer Kontrolle durch das Amt, er müsse sein Bett wegschaffen. "Wo schlafe ich dann?", fragte Darian. Abgewechselt hat er sich mit einem Kollegen. Der eine schlief immer dann, wenn der andere arbeitete. Die Firma Steinemann war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

    Hals aufschneiden, aufhängen, Rektum aufbohren, enthäuten, aufschneiden, zerlegen. Immer dieselben Handgriffe, Tag für Tag. Die Söldner der Geisterarmee erwachen erschöpft, unmöglich zu denken, unmöglich zu träumen, unmöglich, etwas anderes zu tun, als im Halbschlaf den Gewohnheiten zu gehorchen.

    Das System funktioniert nur wegen einer Gesetzeslücke. Diese Lücke heißt Werkvertrag. Um den deutschen Arbeitsmarkt zu schützen, hat die Bundesregierung bei der Osterweiterung der Europäischen Union eine Klausel durchgesetzt: EU-Neubürger müssen bis zu sieben Jahre auf eine freie Arbeitsplatzwahl in den Mitgliedstaaten der EU verzichten. So, hoffte man, würde Deutschland nicht von Billigarbeitern überrannt werden.

    Irgendwer hat das Kleingedruckte übersehen: Die Dienstleistungsfreiheit galt trotzdem für die neuen Beitrittsländer. Betriebe aus den neuen Mitgliedstaaten der EU durften deshalb deutschen Unternehmen ihre Dienstleistungen anbieten – und zwar zu den Arbeitsbedingungen ihrer Länder. So arbeiten rumänische Arbeiter in Deutschland zu rumänischen Bedingungen. Und kein Staatsanwalt kann etwas dagegen tun.

    Binnen weniger Monate wurden Briefkastenfirmen in Polen, Ungarn und Rumänien gegründet, allein zu dem Zweck, Arbeiter für die großen Schlachthöfe in Deutschland anzuwerben. Eigentlich dürfen Arbeiter nicht zum Zwecke der Entsendung angeworben werden. Eigentlich ist die Entsendung gesetzlich auf zwei Jahre befristet. Der ZEIT liegen jedoch zahlreiche Dokumente von Arbeitern vor, die beweisen, dass viele, die offiziell entsendet sind, schon länger am Schlachtband stehen.

    Die Schlachthöfe gliedern ganze Produktionsschritte an die Subunternehmer aus. "Dadurch ist ein Milliardenmarkt mit mafiösen Strukturen, Lohndumping und moderner Sklaverei entstanden", sagt Matthias Brümmer, der Oldenburger Sekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

    "Wir leben hier im Fettfleck, das kann man wirklich sagen", sagt Brümmer. "Hier gibt’s mehr Viecher als Menschen in der Dichte. Und auch mehr Scheiße. Das färbt wahrscheinlich im Kopf ab." Brümmer sagt, es gebe mittlerweile mindestens 40.000 Werkvertragsarbeiter in der deutschen Fleischindustrie. Die Zahl steige immer weiter. Das Schlachten und Zerlegen besorgten die Werkvertragsarbeiter bereits zu 80 Prozent. Neuerdings wird auch das Weiterverarbeiten und das Verpacken von Fleisch ausgegliedert. Die Preiskalkulation ist so eng, die Gewinnspannen sind so niedrig, dass das System nur noch mit einer Geisterarmee von billigen Söldnern funktionieren kann.

    Die ZEIT hat mit 150 Arbeitern gesprochen, einzeln und in kleinen Gruppen. Ihre Namen sind verändert oder abgekürzt, weil die Arbeiter Angst haben, vor wütenden Subunternehmern und Vorarbeitern. Kaum ein Arbeiter bekommt mehr als 1000 Euro im Monat ausgezahlt. Die meisten verdienen um die 800 bis 900 Euro netto im Monat, häufig bei mehr als zwölf Stunden Arbeit am Tag an sechs Tagen in der Woche. Einige bekommen nur Abrisszettel oder überhaupt keine Gehaltsabrechnung. Von ihrem Gehalt müssen die Arbeiter ihr Bett bezahlen: 200 bis 290 Euro pro Monat. Oft müssen sie sich die Messer, Schuhe und Schürzen, die sie zum Schlachten brauchen, selbst kaufen. Regeln gibt es keine, auch nicht bei der Gesundheit: Manche Arbeiter sind in Deutschland krankenversichert, andere nicht.

    Fortsetzung im morgigen Beitrag ......

  • Linzer Theologe Rosenberger : Kirche sollte Vegetarier mehr wertschätzen

    Der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger wünscht sich mehr kirchliche Wertschätzung und Engagement für ethisch verantwortlichen Fleischkonsum und Vegetarismus. Eine vegetarische Lebensweise habe etwa bei Ordensleuten früher als Vorwegnahme des Paradieses gegolten, und noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) sei der fleischlose Freitag eine fixe Speisevorschrift in der katholischen Kirche gewesen, sagte Rosenberger, der auch Umweltsprecher der Diözese Linz ist, in einem Interview mit "Kathpress". Anlass war sein neues Buch "Im Brot der Erde den Himmel schmecken".


    Vor allem beim Tierschutz sieht der Theologe kirchlicherseits Aufholbedarf. Im Bereich der Ökologie schätzt er das Bemühen kirchlicher Einrichtungen "überdurchschnittlich" ein, auch wenn nach oben hin "noch Spielraum ist". Das Thema Tierschutz sei im Vergleich dazu in der katholischen Kirche "leider noch wenig angekommen". Wünschenswert wäre aber eine Verbindung beider Themen, so Rosenberger.

    Hinter der stiefmütterlichen Behandlung des Tierschutzes vermutet der Moraltheologe die rationalistische Entwicklung im 17. Jahrhundert, für die Philosophen wie etwa Rene Descartes und mit ihm eine unüberbrückbare Grenze zwischen dem Mensch als vernünftigem und dem Tier als unvernünftigem Wesen stehen. Die Kirche habe diese strikte Trennung zwar nicht intendiert, ihr aber auch nicht widersprochen. Somit konnte sich die Sichtweise im christlichen Abendland durchsetzen und bis ins Heute hinein wirken.

    (Persönliche Anmerkung: Die Philosophie eines Descartes ist aber ganz gewiss nicht der einzige Grund für die stiefmütterliche Behandlung des Tierschutzes innerhalb der Katholischen sowie auch Evangelischen Kirche.)

    Ein Blick auf die Bibel mache deutlich, dass weder die Lehre Jesu noch die Bibel an sich diese Sichtweise unterstützen, betonte Rosenberger, ( womit er vermutlich die Sichtweise und tierfeindlich-speziesistische Lehre des Philosophen Descartes meinte). Gerade die Reden Jesu, in deren Zentrum die Gerechtigkeit als Schlüsselfrage stehe, hätten weitgehende ethische Auswirkungen auf das Essverhalten und die Lebensmittelproduktion. Dort wo Gerechtigkeit zur Schlüsselfrage wird, haben Massentierhaltung oder der Raubbau an der Natur keinen Platz mehr, befindet der Theologe mit klaren Worten.

    Desweiteren fährt er fort, dass Wertschätzung und Engagement der Kirche im Bereich ethischer Ernährung in der Praxis beginnen müsste. Für kirchliche Einrichtungen wünsche er sich daher "umgedrehte Speisekarten", denn ganz oben sollten vegetarische Gerichte und keine Fleischgerichte stehen, so Rosenberger.

    Der Würzburger Diözesanpriester ist Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe zur Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung und forscht zu Themen der Umwelt- und Tierethik. Sein Buch "Im Brot der Erde den Himmel schmecken" ist im August im "oekom"-Verlag erschienen, umfasst 446 Seiten und ist für 34,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

    Quelle: www.kathweb.at
    (Webseite der Katholischen Presseagentur Österreichs)

  • "Dschungelcamp" geht auf Kosten der Tiere

    Die RTL-Dschungelshow hat erfreulicherweise nicht nur Freunde. Vor allem Tierrechtler kritisieren nach wie vor die Inszenierung mitten in der Natur. Doch alle Appelle, wie zum Beispiel der Organisation PETA, nutzen nichts.

    Am Freitag, dem 16. Januar 2015, startete erneut das RTL-Dschungelcamp “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!”. Millionen fragwürdiger und hirnrissiger Zuschauer werden daher aufgrund dieses Spektakels im australischen Dschungel widerum mitfiebernd und höchst interessiert an den Schicksalen der präsentierten Stars in ihren Glotzomaten starren. Die Tierrechtlerin Vanessa Reithinger von der Organisation PETA hält jedoch in einem dpa-Interview dagegen, denn diese auf Einschaltquoten und Profit getrimmte Show ginge letztlich auf Kosten von Tieren.

    Nachfolgend das mit Vanessa Reithinger von dpa geführte Interview:

    Frage: RTL lädt zur Dschungelshow und zelebriert ein alljährliches Ritual. Warum respektiert der Sender nicht öffentliche Appelle wie von PETA, dem Tierschutz nachzukommen?

    Antwort: Die sogenannten Dschungel-Prüfungen finden ausschließlich zur fragwürdigen Unterhaltung der Zuschauer statt. Hierbei geht es um Einschaltquoten und Profit, auf Kosten der Tiere. Gerade in einem so faszinierenden Umfeld wie dem australischen Dschungel gäbe es zahlreiche Möglichkeiten, sich für die Natur und die Tiere einzusetzen, anstatt Tiere zu quälen und zu töten. PETA schlägt vor, die Teilnehmer vor Aufgaben zu stellen, die Aufforstungs- oder Tierschutzprojekte unterstützen. Auch Mutproben, wie sie etwa in anderen Konzepten veranstaltet werden, zum Beispiel Bungee-Jumping, wären möglich. Leider hat sich RTL bisher unseren Appellen gegenüber uneinsichtig gezeigt, die Prüfungen ohne Tiere durchzuführen.

    Frage: Welche Tierarten werden besonders beeinträchtigt? Was passiert mit Schlangen, Eidechsen, Krebsen, Spinnen oder auch Fischen, wenn die Kandidaten nach ihnen greifen oder gar auf sie treten?

    Antwort: Für diese Tiere geht ein derartig respektloser, teils brutaler Umgang, mit großem Stress und Leid einher. Sicherlich werden bei den Prüfungen auch Tiere zerquetscht, verletzt oder verstümmelt. Auch wenn Tiere nur als "lebende Kulisse" benutzt werden, leiden vor allem Wildtiere wie Reptilien, Amphibien, Fische immens. Sie sind nicht an ein Leben mit dem Menschen gewöhnt. Jeder Kontakt, sogar der Blick eines Menschen, reicht aus, um die Tiere in Todesangst zu versetzen.

    Frage: Sind Kakerlaken oder Maden auch schützenswert? Sie werden ja in Massen durch die Sendung geschleust.

    Antwort: PETA lehnt den Missbrauch von Tieren jeglicher Art zu Unterhaltungszwecken ab. Jahr für Jahr kommen hier sicher Tausende Tiere zu Tode, weil sie von den Teilnehmern lebendig gegessen oder in Gefäßen oder Räumen zerquetscht werden.

    Frage: Das Image mancher Tierarten wird durch die Show ja noch ekeliger als es eh schon ist. Trägt die Show zu Schubladendenken bei?

    Antwort: Tiere werden gezielt als Ekelfaktor dargestellt und zur Belustigung getötet. Die Menschen werden durch solche Shows im Umgang mit Tieren desensibilisiert und stumpfen ab. Mitgefühl für das Leiden und die Bedürfnisse von Tieren bleiben auf der Strecke. Insekten werden von vielen Menschen leider als Tiere zweiter Klasse angesehen, doch diese Tiere wollen genau so überleben wie ein Hund oder eine Katze. Unseres Erachtens sind solche Shows mit ein Grund für die zahlreichen Fälle von Tierquälerei in Deutschland.

    Frage: Gibt es in den visuellen Medien - ob Fernsehen oder auch YouTube - auch noch andere Sendungen oder Kanäle, in denen Tierrechte missachtet werden und welche Handhabe hat PETA?

    Antwort: Die Ausbeutung von Tieren für mediale Zwecke ist in der TV-Industrie leider weit verbreitet. Für den Einsatz in Film und Fernsehen werden Tiere, häufig unter dem Einsatz von Gewalt, genötigt Dinge zu tun, die für sie stressig, beängstigend, unangenehm und oftmals auch schmerzhaft sind oder gar zum Tod führen. Wir setzen auf Aufklärung der Produzenten sowie der Zuschauer. Es gibt mittlerweile zahlreiche Alternativmethoden für die Filmproduktion, wie beispielsweise 3D-Animationen. Jeder einzelne Zuschauer kann ein Zeichen setzen und ein tierfreundliches TV-Programm wählen oder den Sendern deutlich machen, dass Tiere nicht zur Unterhaltung da sind.

    Interview: Carsten Rave, dpa
    Quelle: www.weser-kurier.de

  • Die 'Nacht des Fuchses' ist eine Nacht des Blutes....

    Ein lesenswerter Bericht über grünberockte Lustmörder -  von www.respektiere.at

    Die Salzburger Jägerschaft hatte auch in diesem Jahr wieder aufgerufen zum traditionsreichen Massaker der Winter-Vollmondnächte in den eigenen Wäldern, welchem sie einst in einem Anflug von bitterem Zynismus einen gar mystisch klingenden Namen verliehen: die Idee zur furchtbaren "Nacht des Fuchses" war geboren! Mystisch allerdings klingt dann nur der Name, in Wahrheit ist es nämlich viel mehr ein Gemetzel ohnegleichen, ein sinnentleertes Blutbad, das in diesen Tagen über die Füchse hereinbricht.

    Für die grünberockten Mordmannsbrüder und – schwestern allerdings ergeben sich als grausame Anekdote das ganze Jahr über Gründe genug um Meister Reineke nachzustellen – nun aber fühlen sie sich durch die "Nacht des Fuchses" zusätzlich gar mit einem Freibrief ausgestattet, alle angetroffenen Angehörigen jener Gattung zu töten, völlig unterschiedslos deren Alters und Geschlechtes; das Jägerlatein, eine niemals aussterbende Sprachverwirrung, die sie allesamt befallen hat, spricht dann selbstverständlich nicht von Schießvergnügen oder Blutlust, nein, natürlich wird hier vielmehr hehrerem Gedankengut gefrönt: man hört vom Schutz des Niederwildes, der Tollwutbekämpfung, vom Fuchsbandwurm oder der Fuchsräude .... oder von tausenden anderen Ursachen, welche wie selbstverständlich barbarische Riten und Freude am Töten, ja selbst das Zurückversetzen ins steinzeitliche Gebaren, geradezu verlangen, rechtfertigen!

    Ja, lauscht man ihren Reden, müssten wir Ihnen sogar dankbar sein, den Hegern und Pflegern, weil sie uns beschützen vor der unbändigen Gefahr, welche vom tiefen, düsteren Wald ausgeht, sie, die – natürlich immer für uns - das gesamte ökologische Gleichgewicht in der Waage halten. Tatsächlich, sie regulieren die Balance, die so fragile Harmonie im Forst, versorgen und umhätscheln die dort lebenden Tiere - allerdings in der Regel nur jene, die sich später auch abknallen lassen - und verhindern ganz nebenbei das Wiederansiedeln von Raubtieren: denn vielleicht, so ist es im hintersten Winkel ihrer angestaubten Gehirne verborgen, vielleicht würden diese viel besser, gerechter, die Ordnung im Gehölz aufrecht erhalten; vielleicht auch würde eine natürliche "Auslese" ihre letzten Argumente, wie z. B. Wildtierverbiss, sehr schnell zu Fall bringen und damit die öffentliche Meinung endgültig zu ihren Ungunsten kippen lassen; jetzt, nachdem sie uns über die Jahrhunderte hinweg - ja, das Jägerlatein ist eine uralte Sprache - fast davon überzeugt hätten, dass ihr Dasein doch ein klein wenig Sinn ergibt!
     
    Die Nacht des Fuchses ist nichts anderes - so wie all ihre Gewaltorgien, völlig egal welche Bezeichnung sie auch für derartig absurde Anlässe dann immer auch finden - als eine Nacht des Blutes in unseren Wäldern; dann, wenn der Vollmond den Weg für die Heuchler erhellt, einen Pfad des Todes kreiert, bis sich sein Leuchten in sonnendurchhellten, nebeligen Morgenschwaden wieder verliert, wird der zynische Mythos zur eiskalten Realität – ja, sie nennen es die Nacht des Fuchses, diese Vollmondnacht; allerdings, wenn der Morgen anbricht, ist es totenstill, denn dann gibt es in jenen Gebieten fast keine Füchse mehr …
     
    "Streckenlegung": Die Jägerschaft hat sich versammelt, um ihre Helden zu küren; jene Schützen, die sich Auge um Auge der Gefahr stellten, welche einem echten Teufelskerl in einem Kampf auf Leben und Tod mit dem blutrünstigen Monstern des Waldes begegnen. Technisch weit unterlegen, ausgestattet mit bloßen Händen und einer supermodernen Schusswaffe mit Zielfernrohr, der Kälte der Nacht schutzlos ausgeliefert in wattierter Winter-Spezialbekleidung, im manchmal sogar geheizten Hochstand der Kälte trotzend den Mann/die Frau stehend, mit Nachsicht-Fernglas durch das Land spähend, nehmen sie die letale Konfrontation auf. Sie wissen: die Ausgangslage ist für beide Seiten dieselbe, jeder falsche Schritt, jede falsche Bewegung, kann zur Tragödie führen - die Opferzahlen beweisen es! Wie viele Ihresgleichen sind nicht mehr heimgekehrt, den nächtlichen Strapazen erlegen, im Alko-Bad ertrunken - aber wie anders als die Flucht in die Welt der Spirituosen soll ein einfacher Geist die Fülle der Aufgabe, die Rettung der Welt, bewältigen? Wie viele der Ihren wurden getötet, nun ja, vielleicht nicht unbedingt von jenen reißenden Bestien denen sie nachstellen, niedergerungen von krallen- und zähnebewehren Monstern wie Feldhasen, Fasane, Rebhühner oder gar riesigen, kniehohen Rehen, aber von verirrten Kugeln ihrer Brüder und Schwestern, die sie - trotz supermoderner Waffen mit Zielfernrohr und Nachtsichtgerät - für Wildschwein oder Hirsch gehalten hatten, in einem Augenblick höchster Anspannung, erträglich gemacht nur durch einen Schluck vom Hochprozentigen?

    Der einsame, müde wirkende Redner begrüßt die Versammlung, etwas verschämt scheinend, und viel zu viele sind gekommen; besonders schmerzhaft für einen fühlenden und (mit)leidenden Menschen ist dabei wohl der Anblick jener, welche nur die reine Schaulustigkeit hierher geführt hat; Familien mit Kindern, Männer mit Gamsbärten an den seltsam geformten Hüten, in Leder und Loden, Frauen im Pelz, Frauen mit umgehängten Fuchsfellen samt Kopf und Pfoten, Kinder, denen das Töten irgendwie schmackhaft gemacht wird, mit Mären von Abenteuer- und Angstmach-Geschichten. Eine Blasmusikgruppe steht Spalier, dazwischen der Auflauf der Interessierten, mit ziemlicher Sicherheit allesamt der Jägerschaft zugetan. Der Ort dieser Zurschaustellung konnte wohl nicht herabwürdigender gewählt werden – gleich gegenüber der Dorfkirche, der heiligen katholischen Betzentrale, wo der einfache und sehr unzweideutige Satz ‚Du sollst nicht töten’ in den heiligen Büchern zu den absolut unantastbarsten Insignien in der Glaubensschrift niedergeschrieben steht….
           
    Und ja, da liegen sie dann, auf nassem, mit Tannenzweigen abgedeckten Boden; hier und da färbt sich der Asphalt unter ihnen blutig rot, hinterlassen ihre Körper triefende Pfützen. 24 Füchse an der Zahl. Auch 7 Mardern und einem Iltis ist die ach so gute Absicht, dass ‚Niederwild’ zu retten, zum Verhängnis geworden. Manche der Tiere mit im Todeskampf weit aufgerissenen Mäulern, manche mit furchtbaren Wunden, welche einen tiefen Einblick in das Innenleben gewähren, wieder andere zusammengekauert, so als ob sie bloß schlafen würden. Im Getanze der Lichter, erzeugt aus Dutzenden Fackeln, mutet die Szenerie geradezu gespenstisch an, leichenstarre Wesen, ausgestellt von ihren Häschern, beraubt jeden Funken Lebens, rundherum ein Gewühle von Imponiergehabe und seelischen Abgründen. Mitten darunter wie gesagt auch viele Kinder, welchen diese erste Lehre in der absoluten Lauterkeit, der unabdingbaren Grausamkeit der Kreatur Mensch, wohl für die nächsten Jahre im Gedächtnis bleiben wird; einige davon werden sich von diesem Schock, den der Anblick so gnadenlos getöteter Mitgeschöpfe wohl auslösen muss, schwer erholen, von Alpträumen geplagt - einige andere werden diese Hürde dann überspringen, um nicht zuletzt auf Grund des frühkindlichen Ereignisses zu ähnlichen Gefühlskrüppeln wie die so selbstherrlichen Töter, die eigentlich ihre Vorbilder sein sollten, zu werden.

    Bizarr, aber der Redner begrüßt selbst uns, das RespekTiere-Team, nur um später zum Schluss zu kommen, dass "auch der Herr Putzgruber und seine Mannschaft die Welt nicht ändern werden" können; aber vielleicht, so übersieht es der gute Mann, hat dieser Prozess dennoch schon begonnen, setzt sich fest zuerst als winziger Keim, nur um in den viel zu oft überanstrengten Gehirnen ständig weiter zu wachsen, denn alleine dass er und die seinen offensichtlich darüber nachdenken, kann der erste Schritt dazu sein…
     
    Wieder hören wir von den Gefahren des Fuchsbandwurmes, der zwar, zumindest wissentlich, seltsamerweise noch nie menschliche Opfer gefordert hat, und von der für die Füchse so grausamen Räude – die, wiederum äußerst seltsam, keine der toten Füchse vor uns befallen hatte; eine dringende Frage, welche zum Milbenbefall so oder so erlaubt sein muss: was ist es für eine Methode Füchse von der Räude befreien zu versuchen, indem man alle, ohne Ausnahme, niederschießt, um sich dann im Nachhinein zu vergewissern, ob denn das Opfer überhaupt an dem Befall litt???!!! Wie gesagt, Jägersprache, wir, die Unfähigen, sie zu verstehen…. Ja, ja, es ist ein Faktum, der ständige Kampf zwischen JägerInnen und ihren Opfern ist ein ausgeglichener, Auge um Auge, Zahn um Zahn.

    Davon konnte man sich in Scheffau erneut überzeugen, bei der Präsentation der Blutzeugen, Ausgeglichenheit auf ganzer Linie: 24 Füchse wurden gemetzelt, 7 Marder und 1 Iltis, die in der Nacht der Füchse - im Dunkeln sind alle Schatten gleich - eben genau wie diese anmuteten; Kollateralschaden, nichts desto trotz ein Grund, deren Ableben nicht gebührend zu feiern! Apropos Ausgeglichenheit: doch, dieses Mal sind die JägerInnen alle wohlbehalten zurückgekehrt; überraschender Weise war niemand mit einem Schwein oder einer Hirschkuh oder einem Wolf verwechselt worden, hatten Mr. Jonny Walker und Mr. Jack Daniels keinen zusätzlichen Blutzoll gefordert. Ok, es gab neue Kerben an den Seelen, ein weiterer Teil deren in den klirrenden Nächten verkümmert ist; jedoch kein Grund zur Verzweiflung, für jene, welche keine Bestie erlegen konnten, denn für sie, vielmehr Heger als Jäger sind sie doch alle, gibt es noch immer die Chance, eine Jagdreise ins Ausland zu buchen, wo extra gezüchtete Tiere direkt vor ihre Flinten getrieben werden! Dem Aufpolieren des Egos steht also nichts mehr im Wege!

    So wurden die Opfer ausgelegt, sehr passend direkt vor der Ortskirche, wo einige der Täter frühmorgens am nächsten Tag vielleicht eine Messe besuchen werden, um ihren Gott zu huldigen; einem Gott der einst ‚Du sollst nicht töten' zum höchsten Gut erkoren hatte. Kläglich wimmernd werden sie ihn um Verzeihung bitten, ihre vom Blut Unschuldiger getränkten Hände falten; aber nicht wegen des Mordens zuvor, denn so weit reicht der Gedankenfluss meist nicht; vielmehr werden sie für Ruhe und Frieden bitten, für sich und ihresgleichen, werden ‚Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst' wie mechanisch vor sich herkauen, und dabei keine Gedankenbrücke zu ihrem Tun herstellen; "San eh grod Vicha" wird die einzige Feststellung sein, sollten sie sich an Pulverrauch und Büchsenknall in sentimentalen Momenten überhaupt erinnern.
     
    24 Füchse, 7 Marder und 1 Iltis liegen am tannenzweigbedeckten, sich unter ihnen langsam blutrot verfärbenden Asphalt, das Kreuz Christi im Hintergrund. Die Jägerschaft besinnt sich, lauscht den Ansprachen ihrer Anführer, bizarre Momente im Fackelschein dutzender Kerzenlichter.
     
    An der gegenüberliegenden Seite haben wir Stellung bezogen. Die sehr entgegenkommende Polizei hat diesen Standplatz klug gewählt, genau zwischen den Grünröcken und dem Gasthaus, dem Ort, wo später literweise Alkohol enthemmte Seelen beruhigen wird.

    "Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet Abscheu vor dem Töten" oder "Schande, Schande, Mörderbande" und dergleichen steht auf unseren Transparenten geschrieben. Auch wir haben eine Aufbahrungsstätte aufgebaut, blutige Leintücher sind auf dem vom sturmartigen Wind längst trockengeblasenen Boden ausgebreitet. Ein Schild "Überpopulation" weist auf unsere Opfer hin: 2 JägerInnen liegen in rot gefärbten Leintüchern, Blut aus tödlichen Wunden verlässt ihre Körper; einer davon hat sich offensichtlich selbst gerichtet, ein Schild "Ich konnte die Schande nicht länger ertragen ein Lustmörder zu sein" unterstützt diese Annahme! Ein toter Hund liegt ebenfalls dort, ebenso eine Katze, "Ich habe Angst vor Jägern" weist darauf hin, dass die "Waidmänner" jedes Jahr auch tausende Haustiere töten.
     
    Auch Gevatter Tod ist in doppelter Ausführung vorhanden, 2 Sensenmänner spannen eine Botschaft in großen Buchstaben. "Impotenz braucht Waffen" ist auf Schildern zu lesen. Insgesamt haben sich fast ein Dutzend TierschützerInnen in Scheffau eingefunden, welche um die 32 neuen Opfer der Jägerschaft trauern. Noch umspielt ein Lächeln die Mienen der JägerInnen, wie sie da stehen, ihre Opfer am blutbeflecktem Asphalt betrachtend, das Lächeln eines Siegers, eines Beherrschers; dass sie aber vielmehr längst vom vermeintlichen Goliath zum verächtlich betrachteten Wicht mutiert sind, ist ihnen im Moment vielleicht noch gar nicht bewusst - allein die Geschichte wird den unvermeidlichen Abstieg zeigen, auf schwarzen Seiten dokumentieren... Die Todesschützen werden geehrt, mit einem Tannenzweig reich beschenkt, welk wie ihr Haupt, mit Handschlag geadelt - bluttriefende Hände schütteln ihresgleichen, und dann machen sie sich auf in Richtung Gasthaus, der Alkohol, der Stoff des Vergessens, wartet bereits. Überdies: sie, die sich so gerne als Naturmenschen wähnen, hart im Umgang mit sich selbst und allem Leben, frieren nun bereits, sich bibbernd nach der Wärme der Gaststube sehnend wandern sie derselben mit schnellem Schritt entgegen.

    Am Weg zum Paradies, zum Alkohol, der das Vergessen verspricht, mit so wenig kann ein kleiner Geist zufrieden sein, gab es allerdings noch ein Parcours zu meistern: wie sie da an den TierschützerInnen vorbei schleichen, mit lautem Mund, aber stillem Herzen, werden sie erinnert daran, wie die Welt außerhalb ihres ewig gestrigen Kosmos über sie denkt: "Schande, Schande Mörderbande", ist da ohne Unterlass zu hören, oder "Tiere haben Rechte – Jagd ist Mord!"….
     
    Für die Grünröcke selbst war diese Kundgebung doppelt lehrreich: zum einen wurden sie auf die Nichtselbstverständlichkeit ihrer Taten hingewiesen und zum anderen darauf, dass es immer mehr Menschen gibt, die diesem Treiben nicht länger tatenlos gegenüberstehen!

    Quelle: www.respektiere.at

  • Die Paarungszeit der Füchse: Eine Hoch-Zeit der Jäger

    Im Rahmen sogenannter „Fuchswochen" wird in den Wintermonaten erbarmungslos Hatz auf den Fuchs gemacht. Tier- und Naturschutzorganisationen, aber auch kritische Jäger weisen darauf hin, dass es dafür keinerlei Notwendigkeit gibt: es sind soziale Faktoren, welche die Bestandsdichte des Fuchses effektiv begrenzen.

    Zurzeit hat der Fuchs besonders unter Nachstellung zu leiden: Jäger nutzen die Paarungszeit der Füchse, um die sonst so vorsichtigen Beutegreifer vor die Flinte zu bekommen. Zudem werden vielerorts sogenannte „Fuchswochen" veranstaltet, bei denen mehrere Jäger gemeinsam versuchen, so viele Füchse wie irgend möglich zu töten. Um diese erbarmungslose Verfolgung unseres letzten größeren Beutegreifers zu rechtfertigen behauptet man kurzerhand, die Fuchsjagd sei „notwendig", weil die Fuchsbestände ansonsten überhandnähmen.

    Soziale Dichtekontrolle reguliert Fuchsbestände  Wie wir aus jagdfreien Gebieten wissen, sorgt die Sozialstruktur unter den Füchsen dafür, dass sie sich nicht über Gebühr vermehren. Lässt man Füchse in Ruhe, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die ranghöchste Füchsin Nachwuchs bekommt. Die Geburtenrate ist relativ gering und die Populationsdichte bleibt konstant.

    Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in dieses stabile System ein, so brechen die Gemeinschaften auseinander, und nahezu jede Füchsin wird befruchtet. Studien zeigen, dass zudem auch die Anzahl der Welpen pro Wurf wächst.

    Jagd ist kontraproduktiv. Je stärker Füchse also bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine wie auch immer geartete „Regulation" von Fuchsbeständen ist weder nötig, noch ist sie mit jagdlichen Mitteln überhaupt möglich.

    Ein Beispiel hierfür sind die regelrechten Vernichtungsaktionen, die in den 1970er Jahren zur Tollwutbekämpfung durchgeführt wurden. Obwohl man damals Füchsen sogar mit Giftgas zu Leibe rückte, konnte die Fuchsdichte nicht verringert werden. Mehr noch: Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tollwut, die man durch die Jagd eigentlich eindämmen wollte, wuchs sogar an – das Chaos in der stark bejagten Fuchsgesellschaft sorgte dafür, dass die nun zahlreich vorhandenen vagabundierenden Jungfüchse die Tollwut oftmals erst in neue Gebiete einschleppten.

    Die Schweizerische Tollwutzentrale folgerte daher, dass eine jagdliche Reduktion von Fuchsbeständen offensichtlich nicht möglich und die Jagd zur Tollwutbekämpfung sogar kontraktproduktiv sei. Wie wir heute wissen, konnten erst tierfreundliche Impfköder die Tollwut besiegen – sie gilt heute in Deutschland und in weiten Teilen Europas als ausgerottet.

    Weniger Jagd – weniger Füchse  Diese Erfahrung ist geradezu symptomatisch für unseren Umgang mit Wildtieren: Manche Jäger wollen uns glauben machen, man müsse die Natur mit der Flinte „zurechtschießen". Dass es anders wesentlich besser geht, zeigen jene wenigen Gebiete, in denen Füchse nicht bejagt werden. Ob in Nationalparks im In- und Ausland, in jagdfreien Naturschutzgebieten, in Dünengebieten Nordhollands, im Kanton Genf oder im „Urwald" bei Saarbrücken: Nirgendwo ist eine drastische Vermehrung des Fuchses festzustellen.

    Ganz offensichtlich ist die intensive Verfolgung des Fuchses, der in den meisten Bundesländern nicht einmal eine Schonzeit hat, vollkommen unnötig. Sie fügt Tieren  - ohne dass der vom Tierschutzgesetz geforderte „vernünftigen Grund" vorliegt -  Schmerz und Leid zu.

    „Füchse sind als Gesundheitspolizei und eifrige Mäusevertilger wichtige Mitlieder des Naturhaushalts", erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz-Deutschland.  „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass sie wie Schädlinge behandelt und jedes Jahr zu Hunderttausenden getötet und entsorgt werden - es wird höchste Zeit, dass das sinnfreie Töten von Füchsen und anderen Beutegreifern eingestellt wird.“

    Die These der Übervermehrung von Füchsen sei eine Alibibehauptung: „Sie dient der Rechtfertigung der Fuchsjagd vor den Augen einer kritischer werdenden Öffentlichkeit. Bereits ein kurzer Blick in Jagdzeitschriften oder Jagdforen im Internet zeigt dagegen unmissverständlich auf, dass es in Wirklichkeit vor allem um die Lust an der Fuchsjagd geht."

    Quelle: www.wildtierschutz-deutschland.de

    Zu dieser Thematik passend folgt morgen ein sehr lesenswerter Bericht von RespekTiere-Aktivisten: "Die Nacht des Fuchses ist eine Nacht des Blutes"

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