Interpol hat eine zweite „Red Notice“ zu Captain Paul Watson, dem legendären Meeresschützer und Gründer von Sea Shepherd, an seine Mitgliedsländer herausgegeben; diesmal auf die Forderung Japans hin und offensichtlich verbunden mit der japanischen Absicht von Vergeltung für Sea Shepherds erfolgreiches Einschreiten gegen die japanischen Walfang-Aktivitäten in einem international anerkannten Walschutzgebiet.

Captain Watsons erste „Red Notice“ wurde im August dieses Jahres auf Betreiben Costa Ricas herausgegeben, nachdem er, aufgrund eines zehn Jahre alten Haftbefehls Costa Ricas, am 13. Mai in Frankfurt im Zuge der geplanten Weiterreise nach Cannes festgenommen wurde. Zwischenzeitlich hat er die hinterlegte Kaution verfallen lassen und Deutschland nach über 70 Tagen Hausarrest etwa am 22. Juli verlassen. Er befindet sich zurzeit an einem geheim gehaltenen Ort. Captain Paul Watson wurde in Deutschland zwecks Auslieferung nach Costa Rica, wegen eines angeblichen „Verstoßes gegen das Seeverkehrsrecht“, festgehalten. Dieser Vorfall ereignete sich den Berichten zufolge während der Dreharbeiten für die preisgekrönte Film-Dokumentation Sharkwater im Jahr 2002. Der „Verstoß“ fand in den Gewässern Guatemalas statt, wo Captain Watson auf Anweisung der Behörden Guatemalas geltendes Recht gegenüber illegalen Haiflossen-Fischern durchsetzte, die gerade ein Jahr zuvor für dasselbe Vergehen angeklagt und schuldig gesprochen wurden.

Laut Interpol wird Captain Watson aufgrund von Anklagen in Japan zu den Vorwürfen des Einbruchs in Seefahrzeuge, Sachbeschädigung, der gewaltsamen Behinderung des Geschäftsverkehrs und der Körperverletzung in Zusammenhang mit zwei Vorfällen im Südpolarmeer aus dem Jahr 2010 gegen japanische Walfangschiffe, strafrechtlich verfolgt. Allerdings basiert die „Red Notice“ ausschließlich auf der Zeugenaussage eines ehemaligen Partners von Sea Shepherd, im Rahmen einer Strafprozessvereinbarung zur Vermeidung der Verbüßung einer Haftstrafe dieses Zeugen in Japan. Im Klartext fand Japan, das Captain Watson seit Jahren hinterherjagt, endlich einen Überläufer, der seinen Kopf aus der Schlinge zog, indem er einfach seinen Kopf gegen den von Captain Watson eintauschte.

Die Rechtsanwälte von Captain Watson sind überzeugt, dass die japanische Beantragung der „Red Notice“ bei Interpol so kurz nach einem ähnlichen Antrag Costa Ricas nur allzu deutlich den Verdacht bestätigt, dass letztlich auch hinter dem Haftbefehl Costa Ricas gegen Captain Watson und dessen Auslieferungsersuchen allein Japan steht. Die Gründe dafür liegen sicher in den durchschlagenden Erfolgen Sea Shepherds beim Schutz der Wale im antarktischen Walschutzgebiet.

„Die Nachricht von der Beantragung einer ’Red Notice‘ durch Japan überrascht uns nicht“, sagte Susan Hartland, Verwaltungsdirektorin von Sea Shepherd. „Das Ganze zeigt lediglich in aller Deutlichkeit, wie weit Japan bereit ist zu gehen, wenn es um die Plünderung der Ozeane geht. Wir haben diesen Schritt seit Wochen erwartet. Unsere Rechtsabteilung ist bereits dabei, diese politisch motivierten Vergeltungsmaßnahmen und fingierten Anschuldigungen anzufechten, um die Anklagen fallen zu lassen“, fügte sie hinzu.

Hartland fuhr fort: „Keine dieser Anschuldigungen hat vor Gericht standgehalten, als Japans Institut für Walforschung, ein Aushängeschild Japans kommerzieller Walfang-Aktivitäten, eine Klage in den USA gegen Sea Shepherd einzubringen versuchte. Tatsächlich entschied der Richter im Februar dieses Jahres zu der einstweiligen Verfügung gegen Japan. Die japanischen Walfänger haben die Ady Gil zerstört und beinahe sechs Mann unserer Crew getötet und mussten sich dazu bisher noch nie verantworten, wagen es aber dennoch, Sea Shepherd Fehlverhalten vorzuwerfen.“

Sea Shepherd geht im antarktischen Walschutzgebiet seit nunmehr acht Jahren gegen Japan vor und ist derzeit im neunten Jahr mit seinen Vorbereitungen dabei, eine größere und stärkere Flotte als je zuvor – erweitert um ein neues Schiff – in dieses Gebiet zu senden. „Die japanischen Walfänger haben sich schwer getäuscht, wenn sie glauben, eine weitere „Red Notice“ würde Sea Shepherd von der Verteidigung der Wale in dieser Saison abhalten“, sagte Hartland. „Das alles wird keine Auswirkungen auf die kommende Antarktis-Kampagne, Operation Zero Tolerance, haben, deren Ziel es ist, die Walfangflotte mit „Null“ getöteten Walen wieder nach Hause zu schicken.“

Anmerkung:
Eine „Red Notice“ von Interpol ist kein internationaler Haftbefehl. Sie rückt nur die Existenz des costa-ricanischen Haftbefehls mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Interpol-Mitgliedsnationen. Diese Mitgliedsländer können mit der „Red Notice“ nach Belieben verfahren und darauf reagieren oder eben nicht. Sie ist kein Haftbefehl an sich.