Peter Hahne, frommer Kirchenmann, Theologe, Autor vieler christlicher Bücher, Journalist und ZDF-Redakteur, erklärte kürzlich in seiner Bild am Sonntag - Kolumne "Gedanken am Sonntag": Auch wenn es wehtut: Es geht nicht ohne Tierversuche!

Hahne schreibt in seinen "Gedanken zum Sonntag":
Eine frühere Kollegin brachte mich mit ihrer Heuchelei regelrecht zur Weißglut: Sie kämpfte fast fanatisch gegen Tierversuche und war bei gefühlt jeder Tierschutzorganisation Mitglied. Doch wenn ihre Migräneanfälle kamen, öffnete sie ihre Handtasche und kramte ein Schmerzmittel hervor; angeblich das einzige, das ihr halt hilft gegen das unerträgliche Kopfweh. Ich sah die Marke des Mittels, recherchierte ein wenig und stellte fest: Ohne Tierversuche würde es das segensreiche Medikament überhaupt nicht geben.

Nachdem das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt bekanntgab, dass im letzten Jahr rund 2,9 Millionen Tiere bei Versuchen eingesetzt worden sind, ist die Erinnerung wieder laut. Klar, man hat gleich die süße Katze von nebenan vor Augen oder den treuen Blick des goldigen Jack Russell Terriers.
Manche Zeitungen bebildern ihre Artikel bewusst so, obwohl bei den Tierversuchen in ganz Deutschland im Jahr 585 Katzen und 2474 Hunde betroffen waren; der Zwei-Millionen-Rest sind meist Ratten und Mäuse. Auch der Tierschutz-Missionseifer sollte bei der Wahrheit bleiben.

Tiere sind Geschöpfe und dürfen nicht leiden; und nicht jeder Zweck heiligt jedes Mittel. Jedoch verdanken wir den Tierversuchen der Antike (beginnend um 500 vor Christus) die ersten Arzneien und Operationen, ganz zu schweigen von der späteren Erforschung vom Insulin, Antibiotika, Impfstoffen gegen Pocken und Influenza. Und solange es für zwei Drittel aller heute bekannten Krankheiten keine Therapie mit Heilerfolg gibt, brauchen wir die Forschung an lebenden Organismen.
Die einzige Alternative zu Tierversuchen wäre, den Menschen zugunsten der Tiere leiden und sterben zu lassen. Das ist die Wahrheit, und damit hat jeder in unserem freien Land die freie Entscheidung. Nur eines geht nicht:  Die Errungenschaften der Medizin und der Pharmazie wie selbstverständlich zu nutzen, gleichzeitig jedoch strikt gegen Tierversuche zu sein. Auch in diesem Fall ist die politische Korrektheit leider Dummheit, und auch dagegen ist bekanntlich noch kein Mittel erfunden worden.

Quelle: www.bild.de

Was empfindest Du beim Lesen dieser obigen Zeilen?
Hat Dich diese "Predigt" eines frommen Christen namens Peter Hahne überzeugt?
Sind grausame Versuche an Tieren in unserem 21. Jahrhundert tatsächlich noch notwendig, auch "wenn es noch so sehr weh tut" ?

Hier ein Auszug aus einer Email an den Tierversuchs-Befürworter Peter Hahne von Herrn Professor Dr. med. Klaus Hamper :

Sehr geehrter Herr Hahne,
Ihre Polemik für die Notwendigkeit von Tierversuchen in der Fachzeitschrift „Bild am Sonntag“ ist billig und verallgemeinernd. Der Tierversuch an sich, dem Sie das Wort reden, ist ganz überwiegend nicht nötig, jedenfalls nicht zum Wohle des Menschen. Tierversuche dienen sogenannten Wissenschaftlern zur Förderung Ihrer Karriere, der Industrie zur Steigerung Ihres Umsatzes, sind in den allermeisten Fällen völlig unsinnig und bringen den sogenannten Fortschritt nicht voran, sondern nur millionenfaches unnötiges und unendliches Leid über leidensfähige Mitgeschöpfe. Ich weiß, wovon ich rede.
Und zu Ihrer Medikamentenhypothese nur ein Beispiel: Die Contergan-Katastrophe hätte auch durch Tierversuche nicht verhindert werden können (siehe die Website des Deutschen Referenzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften).
Und betreffs Ihrer „heuchelnden“ Migränekollegin, die Sie zur „Weißglut“ brachte : Mich bringen bigotte Kirchenleute zur Weißglut, für die die Schöpfung nach eigenem Gutdünken teilbar ist. Ihre Anthropozentrik ist unausgereift, Ihre Argumentationskette entbehrt der Logik. Ich würde mich freuen, könnten Sie sich einer sachlicheren Auseinandersetzung mit der Frage befleißigen – auch wenn das in diesem von Ihnen willfährig bedienten Druckwerk nicht gern gesehen ist. Und so lange Sie dies nicht tun, gilt Ihr letzter Satz offensichtlich auch für Sie, nur leicht modifiziert : Auch in diesem Fall ist die Dummheit leider politische Korrektheit und auch dagegen ist bekanntlich noch kein Mittel erfunden worden.

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. med. Klaus Hamper

In einem weiteren Brief an Peter Hahne heisst es :

Herr Hahne, wie man als Kolumnist der BILD AM SONNTAG mit Millionen von Lesern so einen peinlichen Artikel verfassen kann, ist mir absolut unverständlich. Sollte es in ihrer Position nicht selbstverständlich sein, sich vorher fach - und sachkundig zu informieren? Ein so unglaublich einseitiges Statement hat nichts mit Professionalität, sondern nur mit primitiver „Meinungsmache“ zu tun.
Selbst Schüler wären in der Lage, natürlich nach sorgfältiger Recherche, einen besseren Artikel zu verfassen. Warum erwähnen sie nicht, dass Krankheiten des Menschen durch Tierexperimente weder in ihren wirklichen Ursachen erforscht noch geheilt werden können? Zwischen Mensch und Tier bestehen derart gravierende Unterschiede, vor allem anatomisch und in vielfacher Weise auch physiologisch, so dass Ergebnisse aus Tierversuchen irreführend sind und für den Menschen ein unkalkulierbares Risiko darstellen.

Sie schreiben auch nichts darüber, dass die unzähligen tierversuchsfreien Methoden kaum finanziell gefördert werden ( im Gegensatz zu den konventionellen Tierversuchen), dass in den Ethikkommissionen überwiegend Tierexperimentatoren sitzen und und und ……...
Hätten sie sich sorgfältig und verantwortungsvoll mit der komplexen Thematik Tierversuche auseinandergesetzt, dann wären sie sicherlich zu folgender Erkenntnis gelangt: Wer heute noch immer für Tierversuche ist, der hat sich nicht hinreichend informiert oder - verdient sein Geld damit.
Es grüßt sie - Regina Kowalzick

Offener Brief von Ulrich Dittmann an die Bild-Zeitung und an Peter Hahne :

Peter Hahne macht sich hier mit ungetrübter Naivität zum Grüßaugust der Tierversuchsindustrie, die mit nebulösen Heilsversprechen das verängstigte Volk auf skandalöse Art und Weise verdummt. Denn der Mensch ist keine Maus. Und nicht wegen, sondern trotz (!) Tierversuche kommt die Forschung voran! Jeder Tier-Experimentator steht zudem unweigerlich und unleugbar vor folgendem zentralen Problem :

  • Wenn keine Vergleichbarkeit von Forschungsergebnissen bei Tieren - wegen der Verschiedenheit der Spezies Tier/Homo sapiens - gegeben ist, ist dann nicht folglich jeder Experimentator als betrügerischer Scharlatan anzusehen, der vorgaukelt mit Experimenten an Tieren segensreiche Erkenntnisse für den Menschen erlangen zu können?
  • So eine Vergleichbarkeit von Ergebnissen - wegen der Gleichheit der Spezies Tier/Mensch - aber gegeben ist, handelt dann anderseits nicht jeder Experimentator nach Verbrechermanier, der lebensverachtend menschenähnliche Tiere quält und  foltert?

Ist so oder so, nach solchen Erkenntnissen, der Tier-Experimentator nicht zwingend als gemeingefährlicher Psychopath für Mensch und Tier einzustufen ? Da hilft kein sophistisches Schwadronieren - es gibt keine schlüssige Lösung aus diesem furchtbaren Dilemma. Ein Erklärungsversuch sei noch angeführt : “Tierversuche kosten Millionen - bringen aber Milliarden, oder Doktorwürden. Und gewähren als Alibi-Funktion Straffreiheit, falls etwas passiert. Deshalb macht man sie.” Aber ist ein solch unethisches, schlicht erbärmliches Mediziner-Verhalten, oder antrophozentrisches Geschwätz wie hier von Pfarrer Hahne, noch mit dem Gewissen vereinbar? Das müssen sie sich fragen lassen.

All den frommen, Möchte-gern-Gutsein-Menschen,  Kirchenleuten und Anthropozentrismus-Fetischisten sei abschließend noch folgendes in ihre Gehirnwindungen implantiert: Für die unter der Knute der "Dornen-Krone der Schöpfung" ächzenden und stöhnenden Tiere hat der Teufel keine Hörner und keinen Klumpfuß, sondern eine Menschenfratze.  "Gottes Ebenbild" ist eine Schande. Man kann sich als Mensch nur noch bitter schämen.

Freundliche Grüße - Ulrich Dittmann